Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Etwas, das man in jüngerer Zeit bislang nur aus totalitären oder dirigistischen Staaten wie etwa China kannte, hält nun auch in Europa Einzug: In Ungarn wurde de facto die Pressefreiheit abgeschafft. Wird dies Schule machen? Vor dem Hintergrund einer zunehmend aufbegehrenden Bevölkerung und unter dem Vorwand weiterer Überwachungsmaßnahmen, pardon, zur Verbesserung der inneren Sicherheit für nicht wenige westliche Politiker ein durchaus wünschenswertes Szenario.

Im “Press Freedom Index 2010” von Reporter ohne Grenzen, in dem die Situation verschiedener Länder zwischen dem 1. September 2009 und 1. September 2010 ausgewertet wurde, kam Ungarn mit Platz 23 noch vergleichsweise passabel weg. Deutschland liegt in der Rangliste auf Platz 17, Großbritannien auf 19, Frankreich auf 44 (!). Und die USA? Dort unterschied man bizarrerweise – ebenso wie in Israel – in Inlands- und Auslandsberichterstattung. Anscheinend, um die Zensur hinsichtlich des Einsatzes in Afghanistan und im Irak resp. in Palästina separat auszuweisen. Ergibt das Sinn? Kann, oder besser, darf man das überhaupt so scharf trennen?

Ein Staat, der in Bezug auf seinen Kriegseinsatz Desinformation betreibt, täuscht und belügt auch sein eigenes Volk. Zudem wechselwirkt die Auslandszensur auch mit politischen Entscheidungen und Ereignissen im Inland. Und wenn schon differenzieren, dann bitte bei allen Ländern gleichermaßen. Denn auch hierzulande wurde lange Zeit, was den Einsatz unserer Truppen am Hindukusch angeht, der Begriff “Krieg” vermieden – in seltsam stillschweigender Übereinkunft, zumindest was Politik und großen Medien angeht. Erst im November 2009 kam Kanzlerin Merkel das böse K-Wort über die Lippen …

Wie dem auch sei: Wann beginnt eigentlich Zensur? Im Grunde doch nicht erst bei staatlichem Übergriff, sondern bereits dann, wenn Redakteure von ihrem Vorgesetzten angehalten werden, “unschöne Themen” auszulassen (wie es der ehemals bei der FAZ beschäftigte Journalist Udo Ulfkotte im zeitgeist-Interview beschrieb) oder umgekehrt Inhalte zu schönen, aus welchen Motiven auch immer. Sei es die Angst vor persönlichen Repressalien, vor der Kürzung des Anzeigenbudgets oder anderer lobbyistischer Einflussnahme. In einer im Kopp-Verlag erschienen DVD redet Ulfkotte diesbezüglich Klartext. Der Verrat an der Pressefreiheit hat viele Mittäter.

In oben erwähntem Zensur-Ranking sind bis heute einzig die skandinavischen Staaten, die Niederlande und die Schweiz ein unbeschriebenes Blatt. Wie lange noch?

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