Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae
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Quelle: Bildzeitung vom 6. Juli 2011

Not macht erfinderisch, jüngst sogar die Bundesregierung. Wegen des Pflegekräftenotstands verabschiedete man am vergangenen Montag kurzerhand und ohne großes Aufsehen eine Gesetzesänderung, welche die Kompetenzen der Behörden erweitert bzw. verlagert. So etwa sollen Polizisten mit sofortiger Wirkung Altenheimen unter die Achseln greifen.

Einem Fotoreporter gelangen diese Schnappschüsse umgehend nach Inkrafttreten der Novelle. Sie zeigen motivierte Beamte im Dienst, wie sie einen älteren Herrn freundlich befördern, diesen ohne Zeitdruck betreuen und sogar Fotos von ihm schießen. Die Polizei, endlich wieder Freund und Helfer!

Aber halt, irgendetwas stimmt nicht. Hält der Opa nicht einen “Gegen Stuttgart 21″-Aufkleber in der Hand? Und was soll der Titel “Rentner-Demo gegen S21″? Diesen Beitrag weiterlesen »

Ende letzten Jahres hatte er es in Erwägung gezogen, nun macht er ernst: Vor ein paar Wochen verkündete der Dalai Lama aus seinem indischen Asyl, dass er von seinem Amt als politisches Oberhaupt Tibets zurücktritt. Sein Nachfolger in diesem Amt soll ins Amt gewählt werden, hieß es. Sein Amt als geistliches Oberhaupt indes behalte er.

Ein kluger, vor allem ein längst überfälliger Schritt. Denn genau diese Vereininigung beider Ämter in seiner Person bzw. die daraus resultierende Unklarheit, wer denn nun zu seinem Volk sprach, das weltliche oder das religiöse Oberhaupt, verbaten es seinem Volk, ihm zu widersprechen. Denn seinem buddhistischen Führer habe man bedingungslos zu folgen, nicht aber seinem politischen, erläuterte es der ehemalige Deutschübersetzer des Damai Lamas, der Buddhist Helmut Gassner, in einem Interview gegenüber zeitgeist. Diesen Beitrag weiterlesen »

Zu Beginn des Jahres wurde ich von Andreas Bleeck (im Auftrag der Partei der Violetten, bei denen ich übrigens kein Mitglied bin – ich bin in überhaupt keiner Partei und werde auch nie in eine eintreten, was mir schon allein das journalistische Neutralitätsgebot abverlangt) interviewt, dem es ein Anliegen ist, die Verleger der sogenannten kulturell-kreative Medienlandschaft und deren Motive zu porträtieren. Das Interview wurde inzwischen auf der Webseite der “Violetten” publiziert – als Audiomitschnitt wie auch als Transkript desgleichen.

Befragt wurde ich zu meinem publizistischem Anliegen, den Ursprüngen und natürlich den aktuellen Inhalten des zeitgeist-Magazins (das nebenbei bemerkt nichts mit dem “Zeitgeist-Film” oder der durch den Film initiierten “Zeitgeist-Bewegung” zu tun hat. Diesen Beitrag weiterlesen »

Kein Aprilscherz: Zum 12. Mal wurden gestern Abend die deutschen “BigBrotherAwards” an besonders aktive Datenschutzfrevler verliehen. Eingefunden hatten sich zu diesem festlichen Anlass ca. 300 Gäste in der Hechelei in Bielefeld (ja, die Stadt existiert tatsächlich, allen Verschwörungstheorien zum trotz – ich konnte mich persönlich davon überzeugen ;-)), darunter auch die Juroren (u. a. vom Chaos Computer Club) und die Verantwortlichen vom Foebud e. V., welcher die Preisverleihung alljährlich organisiert.

Die Preise gingen dieses Jahr an: Diesen Beitrag weiterlesen »

Dass Lobbyismus ein manifestes Übel in unserer Gesellschaft darstellt, wird heute wohl kaum jemand mehr bestreiten. Zahlreiche Netzwerke und Seilschaften gestalten hinter den Kulissen die Tagespolitik mit – nach dem Motto: eine Hand wäscht die andere. Allein in Berlin treiben über 5.000 Lobbyisten ihr Unwesen.

Meinungsmache, Desinformation, unlautere Absprachen, Bestechung, Vetternwirtschaft, subtile Einflussnahme auf Gesetzesentwürfe und Abstimmungen, Bevorteilung bei Ausschreibungen … – endlos scheint die Liste der Einflussnahmen und Vergehen, von denen der brave Durchschnittsbürger lange nichts mitbekam. Oder sich nicht vorstellen konnte/wollte, wie gewissenlos Politiker und Wirtschaftsbosse zu agieren vermögen. Viele auch sind Mitwisser und schweigen, aus Angst, aus Feigheit oder weil sie selbst profitieren.

Doch es braut sich was zusammen: Diesen Beitrag weiterlesen »

Durch das Atom-Unglück in Japan kocht hierzulande die Grundsatzdebatte um den Ausstieg aus der Kernkraft wieder hoch. Die dort ausgetretene Radioaktivität versetzt inzwischen die ganze Welt in Sorge – und, wie es scheint, gibt es sogar weitere Lecks an ganz anderer Stelle, nämlich an der kanadisch-amerikanischen Grenze. In einem Kernkraftwerk bei Toronto sollen 73.000 Liter belastetes Wasser in den Ontario-See geflossen sein

Viele weitere gute Gründe für einen Atomausstieg gibt es schon lange, doch nun erst will die Bundesregierung sieben der ältesten Meiler – zumindest vorübergehend – stilllegen. Zwei sind wohl schon vom Netz, womöglich werden sogar bald alle 17 deutschen Kernkraftwerke dauerhaft stillgelegt, wie ein internes Strategiepapier enthüllt.

Dennoch bliebe auch das nur ein Anfang. Diesen Beitrag weiterlesen »

Alle Welt starrt derzeit auf Japans drohenden Super-GAU. Die Massenmedien wiederholen auf hypnotisierende Art Bilder aus der Katastrophenregion und halten uns vor der Glotze fest. Andere bedeutsame Geschehnisse, die kürzlich noch die Schlagzeilen beherrschten (Aufbruch in Nordafrika!), geraten in den Hintergrund (Absicht?).

Manche Blogger, die es eigentlich besser wissen und können, üben sich in reißerischen, geschmacklosen Titeln wie etwa “Hiroshima 2.0″, die an der eigentlichen Sache völlig vorbeigehen.

Merkel, Westerwelle & Co. instrumentalisieren die Vorfälle im Land der aufgehenden Sonne für ihre Wiederwahl und erproben eine Hinhaltetaktik (nichts anderes meint der Begriff “Moratorium”), um dann irgendwann im April einmal mehr “April, April!” zu verkünden. Diesen Beitrag weiterlesen »

Seit gestern abend, genauer seit heute früh, wissen wir, dass zwei, wenn nicht gar fünf Reaktoren nach dem Erdbeben in Japan eine Kernschmelze droht – mit allen Konsequenzen eines Super-GAUs, der das bisher Zerstörte in den Schatten stellen könnte. Bei allem Mitgefühl für die dort lebenden Menschen fragt man sich dennoch, wie der Inselstaat überhaupt auf die Idee kommen konnte, in dieser erdbebengefährdeten Region derart viele Kernkraftwerke zu errichten – wo eine größere Katastrophe doch nur eine Frage der Zeit sein konnte! Warum das Schicksal auf diese Weise herausfordern?

Erwartete Ausbreitung des Tsunami, der vor allem Japan traf (Bild: National Oceanic and Atmospheric Administration)

Erwartete Ausbreitung des Tsunami, der vor allem Japan traf (Bild: National Oceanic and Atmospheric Administration)

Ausgerechnet Japan, kommt einem in den Sinn, das doch schon vor rund 65 Jahren die vernichtende Gewalt der Atomenergie erleben musste! Und scheinbar auch nichts daraus lernte. Schlimmer noch: Diesen Beitrag weiterlesen »

Unser Herr Verteidigungsminister, das ist so einer. Nicht nur, dass er einfach einen Artikel aus der FAZ zur Einleitung seiner Doktorarbeit machte. Nein, er “vergaß” auch noch, den Namen des Autors und die Quelle zu benennen. Und das 2006, wo er bereits mitten im Politgeschäft aktiv war. Was soll man davon halten?

Auch aus der Neuen Zürcher Zeitung soll er etwas übernommen und dabei Urheberrechte verletzt haben, was die Schweizer sogleich demütigend auszuschlachten wissen und vom Freiherr eine Entschuldigung einfordern.

Klar, nie war es so einfach wie in Zeiten des Internets, Texte zu klauen. Es war aber auch nie so leicht, lieber Herr zu Guttenberg, zu überprüfen, ob ein Text geklaut ist!

Ist das nun das Ende seiner politischen Karriere? Diesen Beitrag weiterlesen »

Wo treffe ich Gleichgesinnte, mit wem kann ich mich über zeitgeist-Themen austauschen und mein Wissen vertiefen? Diese und ähnliche Anfragen gehen in unserer Redaktion immer häufiger ein. Das Kommentieren via Internet scheint vielen zu unpersönlich.

Manche verspüren auch den Wunsch, die nach Lektüre der zeitgeist-Print-/Online-Ausgabe gewonnenen Erkenntnisse in die Tat umsetzen zu wollen, sich mit anderen zusammenzutun, sich zu “vernetzen”, wie man es heute gerne nennt. Wie wir feststellen konnten, mangelt es tatsächlich an niveauvollen Begegnungsmöglichkeiten jenseits der üblichen “Stammtische”.

Dies wollen wir nun ändern. Nach einer Zeit der Vorbereitung haben wir jetzt die Voraussetzungen geschaffen, dass interessierte zeitgeist-Leserinnen und -Leser zusammenkommen können. Diesen Beitrag weiterlesen »

An Wikileaks scheiden sich die Geister. Steht die Enthüllungsplattform im Dienste des Guten oder des Bösen, fragen sich inzwischen nicht wenige. Widersprüchliche Meldungen polarisieren zusätzlich. Da heißt es zum Einen, dank Wikileaks gebe es in Spanien keine Zensur, dann liest man zeitgleich, gerade wegen Wikileaks sei die Zensur in Ungarn errichtet worden. Ja, was denn nun?

Ich kenne Wikileaks schon seit ein paar Jahren, also seit den Anfängen. Schon früh wurde dort allerlei Brisantes veröffentlicht, so etwa interne Dokumente der Scientology, Internetsperrlisten oder auch Akten, die Korruptionsaffären ans Licht brachten. Damals krähte kaum ein Hahn danach, sieht man mal von den gerichtlichen Klagen der Scientologen ab.

Die Medien fingen erst Feuer, als die geheimen Aufnahmen des Hubschraubereinsatzes, bei dem das US-Militär neben zahlreichen afghanischen Zivilisten u. a. einen Reuters-Mitarbeiter liquidierte, rund um den Erdball gingen und die Menschen erschütterten. Wikileaks war augenblicklich in aller Munde. Bis zu jenem Zeitpunkt waren die Betreiber der Whistleblower-Seite anonym geblieben.

Doch dann meldete sich ein gewisser Julian Assange zu Wort, gab sich als Chef von Wikileaks aus, an anderer Stelle auch als Sprecher. Diesen Beitrag weiterlesen »

Etwas, das man in jüngerer Zeit bislang nur aus totalitären oder dirigistischen Staaten wie etwa China kannte, hält nun auch in Europa Einzug: In Ungarn wurde de facto die Pressefreiheit abgeschafft. Wird dies Schule machen? Vor dem Hintergrund einer zunehmend aufbegehrenden Bevölkerung und unter dem Vorwand weiterer Überwachungsmaßnahmen, pardon, zur Verbesserung der inneren Sicherheit für nicht wenige westliche Politiker ein durchaus wünschenswertes Szenario.

Im “Press Freedom Index 2010″ von Reporter ohne Grenzen, in dem die Situation verschiedener Länder zwischen dem 1. September 2009 und 1. September 2010 ausgewertet wurde, kam Ungarn mit Platz 23 noch vergleichsweise passabel weg. Deutschland liegt in der Rangliste auf Platz 17, Großbritannien auf 19, Frankreich auf 44 (!). Und die USA? Dort unterschied man bizarrerweise – ebenso wie in Israel – in Inlands- und Auslandsberichterstattung. Anscheinend, um die Zensur hinsichtlich des Einsatzes in Afghanistan und im Irak resp. in Palästina separat auszuweisen. Ergibt das Sinn? Kann, oder besser, darf man das überhaupt so scharf trennen? Diesen Beitrag weiterlesen »

Mit diesen Worten schließt Alexander Lehmanns neuester filmerischer Streich, der sich einmal mehr dem Datensammelwahn der Bundesregierung verschrieben hat. Lehmann war bekannt geworden durch seinen äußerst gelungenen Videobeitrag “Du bist Terrorist”.

Wollt Ihr die totale Sicherheit? Schaut selbst:

Keine Antwort liefert der Clip hingegen auf die Frage, Diesen Beitrag weiterlesen »

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