Archiv für die Kategorie „Gesellschaftliches“
Der Kabarettist Roland Düringer (geb. 1963) hielt Anfang Dezember im österreichischen Fernsehen eine Ansprache, die für ziemlich viel Aufregung sorgte. Düringer, seit 22 Jahren im Geschäft, zählt in unserem Nachbarland zu den bekanntesten seiner Zunft. Seine Werke wurden mehrfach prämiert.
In der dynamisch ansteigenden “Wutrede”, wie man sie in dieser Deutlichkeit und Emotionalität bei uns allenfalls von Georg Schramm kennt, bringt er das auf den Punkt, was wohl vielen Wutbürgern, Occupylern, Aussteigern, Politikverdrossenen, Infokriegern und sonstigen empörten Aufbrüchlern auf der Seele brennt. Hören Sie selbst: Diesen Beitrag weiterlesen »
Die Mächtigen Europas treffen sich heute und morgen in Brüssel, um ein erneutes Mal den Euro zu retten. So berichten es die Medien. Es scheint, dass alles auf der Kippe steht – selbst Zentralbanken spielten bereits ein Leben ohne den Euro durch. Oder sind diese Debatten lediglich “Scheingefechte”, weil der finale Plan längst vorliegt, wie manche munkeln?
Ich wage schon jetzt eine Prognose. Auch wenn sich viele Menschen, nicht nur hierzulande, ein Ende der ungeliebten Währung wünschen: Der Euro wird uns erhalten bleiben. Zumindest wird man alles daran setzen, ihn zu erhalten. Allem Hin und Her zum Trotz. Woran mache ich das fest?
Man muss nur verschiedene Aussagen und Entwicklungen der letzten Zeit nebeneinanderstellen, und schon ergibt sich eine Gesamtschau: Diesen Beitrag weiterlesen »
Frankfurt am Main. Neulich Nacht begab ich mich auf eine Sight-Seeing-Tour durchs dortige “Occupy-Camp”. Moment, Sie wissen nicht, was die Occupy-Bewegung ist? Im Ernst? Dann sind Sie nicht allein. Ich musste dieses Aufbruchsphänomen neulich sogar einer Soziologie(!)-Studentin erklären. Sie las sich gleich im Netz ein und meinte dann lapidar: “Hört sich nicht wirklich revolutionär an.” Revolutionär. Soll es das überhaupt sein?
Zurück zu meiner Führung durchs Camp. Überall beschriftete Zettel und Plakate, mit verschiedensten mehr oder weniger weisen Sprüchen und Slogans aller ideologischer Couleur. Ein freundlicher Occupyler, sich selbst als Anarchist bezeichnend, sprach mich an und plauderte gleich aus dem Eingemachten. Diesen Beitrag weiterlesen »
Überhaupt nicht mehr schleichend, sondern höchstoffensichtlich wird im Bundestag der Gürtel enger geschnallt. Nein, bedauerlicherweise nicht was Abgeordnetengehälter angeht – die sogenannten Diäten nehmen ungeachtet jeder Konjunkturlage zu. Eingeschnürt wird vielmehr der Denk- und Handlungsspielraum unserer Volksvertreter, und das auf immer dreistere Weise. Diese Bestrebungen gehen von den großen Parteien aus – und ihrer überbordenden Hybris.
Dass Fraktionsvorsitzende und andere Parteifunktionäre diejenigen schelten, die bei Abstimmungen von der vorgegebenen Linie abweichen, so geschehen, als es um die Gesundheitsreform oder den Mazedonieneinsatz der Bundeswehr ging, gehört heute beinahe schon zur parlamentarischen Normalität. Besonders hervor tat sich seinerzeit Franz Müntefering (SPD), der die “Fraktionsdisziplin” beschwor. Bei anderen Parteien, wie etwa den Grünen, gab es ebensolche Kontroversen. Von Abstrafen der “Abtrünnigen” (z. B. Durchfallenlassen bei der Kandidatenaufstellung für die nächste Bundestagswahl) bis hin zum Parteiausschluss reicht dabei das Spektrum der Einschüchterungspraxis.
So auch bei der heiklen Abstimmung zum Euro-Rettungsschirm (EFSF) letzten Donnerstag. Mancher nichtlinientreuer EFSF-Gegner musste sich dazu im Vorfeld übelste Beschimpfungen aus den eigenen Reihen anhören, selbst der altgediente Wolfgang Bosbach (CDU) durfte dies verdutzt erfahren.
Derweil ist im Grundgesetz ganz klar geregelt: Diesen Beitrag weiterlesen »
Seit vergangenen Sonntag hat sich das mediale Interesse an der Piratenpartei unheimlich potenziert. Zuvor noch wurde sie als Kleinstpartei weitestgehend übersehen, teils gar verschmäht oder verlacht. Seit die Piraten mit 8,9 % der Wählerstimmen ins Berliner Abgeordnetenhaus eingezogen sind, und das gleich mit allen 15 Kandidaten, sieht die Sache anders aus. Die neuen Gesichter samt Biografien gehen durch die Presse. Sogar in Talkshows sind die “Netzfreibeuter” mittlerweile begehrt.
Die Berlinwahl war der erste größere Erfolg seit der Gründung der Piratenpartei 2006, sieht man mal von verschiedenen Kommunalwahlen ab. Doch weshalb der plötzliche Run der Wähler? War es die verstärkte Wahlwerbung im Vorfeld? Oder sind es (späte) Früchte der rasant gestiegenen Mitgliederzahl (mittlerweile rund 12.000, was die Piraten zur siebtgrößten Partei hinter den Grünen macht)? Oder war die Zeit ganz einfach nur reif?
Wie dem auch sei: Es war ein kluger Schachzug der Piraten, das Grundeinkommen und die Direkte Demokratie in ihr Parteiprogramm aufzunehmen. Diesen Beitrag weiterlesen »
Geschehen noch Zeichen und Wunder? Vollzieht sich hier gerade ein Wandel? Oder ist es nur eine Verkettung glücklicher “Zufälligkeiten”?
Beim Durchblättern der dieswöchigen Focus-Ausgabe jedenfalls musste ich gleich mehrfach staunen. Es beginnt schon mit dem Titelbild: Steht da doch tatsächlich “ICH – Die beste Medizin der Welt” und als Untertitel: “Das Wunder Selbstheilung”. Zehn Seiten widmen die Redakteure im Innenteil diesem Schwerpunkt, der mit einer Art Zusammenfassung endet, die da lautet: “Die neue Seelenmedizin”. Im Focus wohlgemerkt. Wie bitte?
Bis vor nicht allzu langer Zeit noch hatten Focus, Spiegel & Co. nur Geringschätzung, wenn nicht gar Spott, zumindest aber Polemik übrig für alles, was sich jenseits des Konventionellen bewegt. Habe ich was verschlafen? Diesen Beitrag weiterlesen »

Quelle: Bildzeitung vom 6. Juli 2011
Not macht erfinderisch, jüngst sogar die Bundesregierung. Wegen des Pflegekräftenotstands verabschiedete man am vergangenen Montag kurzerhand und ohne großes Aufsehen eine Gesetzesänderung, welche die Kompetenzen der Behörden erweitert bzw. verlagert. So etwa sollen Polizisten mit sofortiger Wirkung Altenheimen unter die Achseln greifen.
Einem Fotoreporter gelangen diese Schnappschüsse umgehend nach Inkrafttreten der Novelle. Sie zeigen motivierte Beamte im Dienst, wie sie einen älteren Herrn freundlich befördern, diesen ohne Zeitdruck betreuen und sogar Fotos von ihm schießen. Die Polizei, endlich wieder Freund und Helfer!
Aber halt, irgendetwas stimmt nicht. Hält der Opa nicht einen “Gegen Stuttgart 21″-Aufkleber in der Hand? Und was soll der Titel “Rentner-Demo gegen S21″? Diesen Beitrag weiterlesen »
Ende letzten Jahres hatte er es in Erwägung gezogen, nun macht er ernst: Vor ein paar Wochen verkündete der Dalai Lama aus seinem indischen Asyl, dass er von seinem Amt als politisches Oberhaupt Tibets zurücktritt. Sein Nachfolger in diesem Amt soll ins Amt gewählt werden, hieß es. Sein Amt als geistliches Oberhaupt indes behalte er.
Ein kluger, vor allem ein längst überfälliger Schritt. Denn genau diese Vereininigung beider Ämter in seiner Person bzw. die daraus resultierende Unklarheit, wer denn nun zu seinem Volk sprach, das weltliche oder das religiöse Oberhaupt, verbaten es seinem Volk, ihm zu widersprechen. Denn seinem buddhistischen Führer habe man bedingungslos zu folgen, nicht aber seinem politischen, erläuterte es der ehemalige Deutschübersetzer des Damai Lamas, der Buddhist Helmut Gassner, in einem Interview gegenüber zeitgeist. Diesen Beitrag weiterlesen »
Dass Lobbyismus ein manifestes Übel in unserer Gesellschaft darstellt, wird heute wohl kaum jemand mehr bestreiten. Zahlreiche Netzwerke und Seilschaften gestalten hinter den Kulissen die Tagespolitik mit – nach dem Motto: eine Hand wäscht die andere. Allein in Berlin treiben über 5.000 Lobbyisten ihr Unwesen.
Meinungsmache, Desinformation, unlautere Absprachen, Bestechung, Vetternwirtschaft, subtile Einflussnahme auf Gesetzesentwürfe und Abstimmungen, Bevorteilung bei Ausschreibungen … – endlos scheint die Liste der Einflussnahmen und Vergehen, von denen der brave Durchschnittsbürger lange nichts mitbekam. Oder sich nicht vorstellen konnte/wollte, wie gewissenlos Politiker und Wirtschaftsbosse zu agieren vermögen. Viele auch sind Mitwisser und schweigen, aus Angst, aus Feigheit oder weil sie selbst profitieren.
Doch es braut sich was zusammen: Diesen Beitrag weiterlesen »
Durch das Atom-Unglück in Japan kocht hierzulande die Grundsatzdebatte um den Ausstieg aus der Kernkraft wieder hoch. Die dort ausgetretene Radioaktivität versetzt inzwischen die ganze Welt in Sorge – und, wie es scheint, gibt es sogar weitere Lecks an ganz anderer Stelle, nämlich an der kanadisch-amerikanischen Grenze. In einem Kernkraftwerk bei Toronto sollen 73.000 Liter belastetes Wasser in den Ontario-See geflossen sein …
Viele weitere gute Gründe für einen Atomausstieg gibt es schon lange, doch nun erst will die Bundesregierung sieben der ältesten Meiler – zumindest vorübergehend – stilllegen. Zwei sind wohl schon vom Netz, womöglich werden sogar bald alle 17 deutschen Kernkraftwerke dauerhaft stillgelegt, wie ein internes Strategiepapier enthüllt.
Dennoch bliebe auch das nur ein Anfang. Diesen Beitrag weiterlesen »
Alle Welt starrt derzeit auf Japans drohenden Super-GAU. Die Massenmedien wiederholen auf hypnotisierende Art Bilder aus der Katastrophenregion und halten uns vor der Glotze fest. Andere bedeutsame Geschehnisse, die kürzlich noch die Schlagzeilen beherrschten (Aufbruch in Nordafrika!), geraten in den Hintergrund (Absicht?).
Manche Blogger, die es eigentlich besser wissen und können, üben sich in reißerischen, geschmacklosen Titeln wie etwa “Hiroshima 2.0″, die an der eigentlichen Sache völlig vorbeigehen.
Merkel, Westerwelle & Co. instrumentalisieren die Vorfälle im Land der aufgehenden Sonne für ihre Wiederwahl und erproben eine Hinhaltetaktik (nichts anderes meint der Begriff “Moratorium”), um dann irgendwann im April einmal mehr “April, April!” zu verkünden. Diesen Beitrag weiterlesen »
Seit gestern abend, genauer seit heute früh, wissen wir, dass zwei, wenn nicht gar fünf Reaktoren nach dem Erdbeben in Japan eine Kernschmelze droht – mit allen Konsequenzen eines Super-GAUs, der das bisher Zerstörte in den Schatten stellen könnte. Bei allem Mitgefühl für die dort lebenden Menschen fragt man sich dennoch, wie der Inselstaat überhaupt auf die Idee kommen konnte, in dieser erdbebengefährdeten Region derart viele Kernkraftwerke zu errichten – wo eine größere Katastrophe doch nur eine Frage der Zeit sein konnte! Warum das Schicksal auf diese Weise herausfordern?

Erwartete Ausbreitung des Tsunami, der vor allem Japan traf (Bild: National Oceanic and Atmospheric Administration)
Ausgerechnet Japan, kommt einem in den Sinn, das doch schon vor rund 65 Jahren die vernichtende Gewalt der Atomenergie erleben musste! Und scheinbar auch nichts daraus lernte. Schlimmer noch: Diesen Beitrag weiterlesen »
Etwas, das man in jüngerer Zeit bislang nur aus totalitären oder dirigistischen Staaten wie etwa China kannte, hält nun auch in Europa Einzug: In Ungarn wurde de facto die Pressefreiheit abgeschafft. Wird dies Schule machen? Vor dem Hintergrund einer zunehmend aufbegehrenden Bevölkerung und unter dem Vorwand weiterer Überwachungsmaßnahmen, pardon, zur Verbesserung der inneren Sicherheit für nicht wenige westliche Politiker ein durchaus wünschenswertes Szenario.
Im “Press Freedom Index 2010″ von Reporter ohne Grenzen, in dem die Situation verschiedener Länder zwischen dem 1. September 2009 und 1. September 2010 ausgewertet wurde, kam Ungarn mit Platz 23 noch vergleichsweise passabel weg. Deutschland liegt in der Rangliste auf Platz 17, Großbritannien auf 19, Frankreich auf 44 (!). Und die USA? Dort unterschied man bizarrerweise – ebenso wie in Israel – in Inlands- und Auslandsberichterstattung. Anscheinend, um die Zensur hinsichtlich des Einsatzes in Afghanistan und im Irak resp. in Palästina separat auszuweisen. Ergibt das Sinn? Kann, oder besser, darf man das überhaupt so scharf trennen? Diesen Beitrag weiterlesen »









