Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Am 12. März, dem Welttag gegen Internetzensur, veröffentlichten “Reporter ohne Grenzen” ihren Bericht “Feinde des Internet 2012″. Analysiert wurden erneut Staaten mit massiver Onlineüberwachung. Ihr Ergebnis: Zwölf werden als Feinde des Internet eingestuft (namentlich Bahrein, Birma, China, Kuba, Iran, Nordkorea, Saudi Arabien, Syrien, Turkmenistan, Usbekistan, Vietnam und Weißrussland), 14 weitere stehen unter Beobachtung (Australien, Ägypten, Eritrea, Frankreich, Indien, Kasachstan, Malaysia, Russland, Südkorea, Sri Lanka, Thailand, Tunesien, Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate). Insbesondere Frankreich und Australien dürfte aufhorchen lassen.

Erfasst wurden verständlicherweise nur direkte Formen der Zensur, wie etwa das Filtern von Inhalten oder eine Generalüberwachung, in der Regel von den Obrigkeiten der genannten Staaten.

Die Feinde des Internet 2012 (schwarz eingefärbt) und diesbezüglich unter Beobachtung stehende Staaten, im Bild rot (Quelle: Reporter ohne Grenzen)

Zensur kann jedoch viel subtiler sein. Die Presse (nicht nur die Politik) kann zensieren, in dem sie bestimmte Themen und Trends nicht thematisiert (Ignorieren). Oder diese einseitig darstellt, argumentativ in ihr Gegenteil verwandelt bzw. polemisch als Halbwahrheit der Lächerlichkeit preisgibt (Diskretieren).

Zensur kann aber auch durch das Zeigen geschehen, die vielleicht schlimmste Form Abart. Anschauliche Beispiele bringt Moderator Raphaël Enthoven in seinem ARTE-Beitrag “Zensur”, der am Ende des Textes eingebunden ist (auf diese empfehlenswerte Sendereihe wies ich schon an anderer Stelle hin).

Propaganda funktioniert ebenfalls auf diese Weise. Immer populärer wird auch die Verwendung falscher oder manipulierter Bildaufnahmen zur Unterstreichung einer bestimmten, zumeist politischen Aussage. Der geneigte Leser wird zahlreiche jüngere Beispiele über Suchmaschinen ausfindig machen. Empfohlen sei bei der Gelegenheit startpage.com, die wohl zwar auf Google zugreift, jedoch keine IP-Adressen speichert.

Das Fatalste an Zensur ist, dass der Überwachte, sofern es kein Entkommen aus der Situation gibt, sich neu konditioniert und in seiner “Einschüchterung” das Verhalten umstellt, also zum braven, angepassten Bürger wird. Eine Demokratie, die als solche funktionieren will, kann und darf sich so etwas nicht leisten.

Ein weiterführender Beitrag zum Thema “Bürgerdressur” findet sich auf Konstantin Weckers Portal “Hinter den Schlagzeilen”.

“Zensur” auf ARTE (Reihe “Philosophie”, Ausstrahlung vom 25. März 2012):

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