Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Mitten in der Zitterpartie um die ganze Geldleiherei und den Diekmannschen Anrufbeantworter ereilt unser Staatsoberhaupt die nächste Horrornachricht: Er soll in seiner Zeit als Aufsichtsrat von Volkswagen Pflichten verletzt haben und nun dafür haften (der Fluch der Ämterhäufung …), und zwar mit 1,8 Milliarden Euronen. Milliarden wohlgemerkt, nicht Millionen!

Mal sehen, wie das noch zu toppen ist. Vielleicht wird man Herrn Wulff nächstens auch für alle Globalisierungsfolgen, den Klimawandel, nein, die verstärkte Sonnenaktivität, und den bevorstehenden Weltuntergang (immerhin befinden wir uns im Jahr 2012) verantwortlich machen. Wundern würde es mich nicht.

Irgendwie scheint es nicht wenigen richtig Spaß zu machen, dem vielgescholtenen Bundespräsi gerade jetzt eins überzuziehen. Ob sich da der allgemeine Politikerverdruss ein Ventil verschafft? Sobald sich eine Angriffsfläche bietet, wird draufgehauen. Der Erstbeste muss jetzt eben herhalten.

Am schlimmsten treiben es mal wieder einige Medien, allen voran das auflagenstärkste Springerblatt. Mir scheint, man nutzt die Gunst der Stunde, sich ein Saubermannimage zu verschaffen. Der Komiker Hape Kerkeling bringt es auf den Punkt: “Mal ehrlich, nimmt irgendwer der Bild-Zeitung ernsthaft ab, sie sei an Wahrheit, Anstand und ehrlicher oder gar lupenreiner Aufklärung interessiert?” Ob nun aber Kerkelings Schluss, Wulff solle im Amt bleiben, der richtige ist?

Wenn Christian Wulffs unlauteres Agieren/Nichtagieren in seiner Angelegenheit folgenfrei bleibt, wird nicht nur das Amt beschädigt. Es wird auch keiner seiner Nachfolger mehr angehalten sein, den Job besser tun zu müssen als er. Überdies erhalten all jene ungewollt eine weiße Weste, die darin geübt sind, sich “die Wahrheit” zum eigenen Vorteil auszulegen: “Wenn der Bundespräsident das darf …” Was sollen, was können wir dann noch entgegnen?

Ein Bundespräsident sollte als positives Rollenvorbild dienen, meine ich. Nicht nur für Politiker, für alle Bürger! Das Amt sollte jemand ausfüllen, der etwas verkörpert, der Orientierung gibt, der auch mal dem Wind trotzt, nach bestem Wissen und Gewissen und zum Wohle seines Volkes.

Und zu den knapp zwei Milliärdchen: Ich kann mich nicht entsinnen, dass ein Einzelner jemals eine so hohe Summe als Schadensersatzforderung an der Backe hatte (obgleich uns die Höhe heutzutage kaum mehr zu schocken vermag. So viele Nullen sind wir in der Bänkerkrise wohl einfach gewohnt).

Wer stellt eigentlich die Schadensersatzforderung in der VW-Affäre? Banken, Fonds und Versicherungen, heißt es. Letztere haben dabei wohl ein delikates Detail übersehen. Aufsichtsratsposten sind in der Regel versichert. Somit dürften sie sich dabei ins eigene Knie schießen!

Und falls Sie doch haften müssten, Herr Bundespräsident, mein einfacher Rat an Sie: Verschleppen Sie die Sache. Die nächste Geldentwertung kommt bestimmt. Dann wird zur Tilgung ein Griff in die Portokasse genügen.

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1 Kommentar zu „Wettbewerb der Heuchler“

  • Matze sagt:

    Ich muss Ihnen recht geben. Das mit den 1,8 Milliarden ist ja jetzt die Krönug! Da sieht man auch wie ernst es den Fonds und Co. ist, wenn ich alles glaube, aber nicht das ein Gericht Wulff zu dieser Summe verurteilen wird…

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