Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Geschehen noch Zeichen und Wunder? Vollzieht sich hier gerade ein Wandel? Oder ist es nur eine Verkettung glücklicher “Zufälligkeiten”?

Beim Durchblättern der dieswöchigen Focus-Ausgabe jedenfalls musste ich gleich mehrfach staunen. Es beginnt schon mit dem Titelbild: Steht da doch tatsächlich “ICH – Die beste Medizin der Welt” und als Untertitel: “Das Wunder Selbstheilung”. Zehn Seiten widmen die Redakteure im Innenteil diesem Schwerpunkt, der mit einer Art Zusammenfassung endet, die da lautet: “Die neue Seelenmedizin”. Im Focus wohlgemerkt. Wie bitte?

Bis vor nicht allzu langer Zeit noch hatten Focus, Spiegel & Co. nur Geringschätzung, wenn nicht gar Spott, zumindest aber Polemik übrig für alles, was sich jenseits des Konventionellen bewegt. Habe ich was verschlafen?

Auf S. 52 macht sich die ehemalige Gleichstellungsbeauftrage über den Genderunsinn Luft (“Stoppt endlich den Geschlechterapartheid”), zwei Seiten weiter kommt ein Plädoyer für die radikale Verteidigung der Vielfalt der Völker (“Schützt die Freiheit”). Gut, beide Beiträge erscheinen in der Rubrik “Debatte”, welche die Blattmacher wohl (noch) als Schutzschirm zur eigenen Distanzierung benötigen. Aber immerhin … Tritt nun Räson ein?

Weiter auf S. 62: In einem mehrseitigen Beitrag über den Run auf schwer erschließbare Erdgasvorkommen wird schwerpunktmäßig über die Risiken dieser Exploitationstechniken berichtet (“Fracking”, vgl. zeitgeist-Beitrag zum Thema). Dann auf der Doppelseite 106/107: Dort werden den Lesern die Fachbegriffe rund um die “Euro-Rettung” wie etwa Haircut erläutert. Erstaunlich. Selbst Max Otte (Autor von “Der Crash kommt”, erschienen 2006), erst kürzlich noch gescholten, bekommt eine ganze Seite für seinen Standpunkt (104).

Findet hier tatsächlich ein Umdenken statt? Oder hat man in den großen Verlagshäusern lediglich erkannt, dass “Alternativsein” nicht nur salonfähig geworden ist, sondern gar Kohle damit verdient werden kann? Oder hat man Angst, dass noch mehr Leser abspringen könnten?

Wie dem auch sei: Wenn nun der Mainstream plötzlich alternativ wird, welche Rolle kommt dann den angestammten alternativen Medien künftig zu?

Die Antwort liegt auf der Hand: Erfahrung und Überblick wird gefragt sein. Ebenso das tiefere Wissen um Zusammenhänge. Konstruktiv-kritische Supervision. Eine “Lenkhilfe” sozusagen, im Dienste der Millionen Leser, die von den Massenmedien bedient werden.

Ein Schmunzeln kann ich mir dennoch nicht verkneifen. Denn alles in allem sind jetzt die Rollen getauscht.

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2 Kommentare zu „Der Mainstream wird alternativ – und jetzt?“

  • Ben sagt:

    Hallo Herr Röttcher,

    ich mache zur Zeit die gleiche Beobachtung, ziehe aber andere Schlüsse daraus.

    Es wird wohl inzwischen den Anzeigenkunden aufgegangen sein, dass Werbung, die den Empfänger nicht erreicht, nutzlos ist.

    Zeitschriften ohne Informationsgehalt finden eben keine Verbreitung mehr.

    Folglich nimmt man notgedrungen die Auseinandersetzung mit -etwas- kritischerer Berichterstattung in Kauf.

    Eine objektive Auseinandersetzung mit z.B. BRD-Status, EU-Vertragsbrüchen, Lybien, Israel, Palestina, Geldsystem, etc. wird es nicht geben.

    Gruß – Ben

  • joggler sagt:

    Die Leute begreifen doch gar nicht, was da geschrieben wird und das das auf einmal ‘alternativ’ ist, die denken nur:

    ‘ah, ok, ein wenig Kritik in einer rubrik “Debatte”, dafür ist das ja auch da’
    Das das echte Nachrichten sind und der Rest des Heftes Quatsch ist, dringt da gar nicht durch….leider.

    Flach, die Welt ist flach, sag’ ich euch…..und die Zeitschriften verkaufen sich wie verrückt….

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