Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

An Wikileaks scheiden sich die Geister. Steht die Enthüllungsplattform im Dienste des Guten oder des Bösen, fragen sich inzwischen nicht wenige. Widersprüchliche Meldungen polarisieren zusätzlich. Da heißt es zum Einen, dank Wikileaks gebe es in Spanien keine Zensur, dann liest man zeitgleich, gerade wegen Wikileaks sei die Zensur in Ungarn errichtet worden. Ja, was denn nun?

Ich kenne Wikileaks schon seit ein paar Jahren, also seit den Anfängen. Schon früh wurde dort allerlei Brisantes veröffentlicht, so etwa interne Dokumente der Scientology, Internetsperrlisten oder auch Akten, die Korruptionsaffären ans Licht brachten. Damals krähte kaum ein Hahn danach, sieht man mal von den gerichtlichen Klagen der Scientologen ab.

Die Medien fingen erst Feuer, als die geheimen Aufnahmen des Hubschraubereinsatzes, bei dem das US-Militär neben zahlreichen afghanischen Zivilisten u. a. einen Reuters-Mitarbeiter liquidierte, rund um den Erdball gingen und die Menschen erschütterten. Wikileaks war augenblicklich in aller Munde. Bis zu jenem Zeitpunkt waren die Betreiber der Whistleblower-Seite anonym geblieben.

Doch dann meldete sich ein gewisser Julian Assange zu Wort, gab sich als Chef von Wikileaks aus, an anderer Stelle auch als Sprecher. Eine interne Korrespondenz mit Assanges mittlerweile ausgestiegenen deutschen Mitstreiter Daniel Domscheit-Berg (Pseudonym: Daniel Schmitt) zeigte, dass es bei Wikileaks im Grunde keinen Boss gab. Warum aber spielte sich dann Assange so in den Vordergrund?

Nun, die Gründe liegen auf der Hand und meiner bescheidenen Meinung nach im Wesen des Menschen begründet, in dem mancher zumindest: Es war schlicht und ergreifend die Gelegenheit, auf einen Schlag weltberühmt zu werden. Mit allen “Vorzügen”, welche so ein Promistatus mit sich bringt: Ruhm und Ansehen, Kontakte zur “High Society”, schöne Frauen. Und letztere waren es, die dafür sorgten, dass der Schuss für Assange nach hinten losging.

Eine gewisse Naivivtät ist Selbstdarsteller Assange hier nicht zu nehmen: Wenn ich weiß, dass ich Mitbetreiber einer Webseite bin, die allerlei Geheimnisse ausplaudert und damit auch jede Menge Leute verärgert (sicherlich auch einige sehr mächtige), mich dann als Superstar feiern und dabei von zwei Damen ablinke lasse, von der – welch Überraschung! – zumindest eine gute Kontakte zur CIA gehabt haben soll, muss da schon auch eine Prise Ignoranz im Spiel sein.

Fakt indes bleibt, dass wir “Offenkünder” (ein neuer Begriff für das unsägliche neudeutsche “Whistleblower”, den zeitgeist-Autor Magnus Wolf Göller anregt) heute dringlicher denn je brauchen – in einer Gesellschaft, in der die vierte Gewalt (die Presse) als Kontrollorgan weitestgehend versagt. Plattformen wie Wikileaks kommt somit die Rolle einer fünften Gewalt zu, wie es Mathias Bröckers auf “Telepolis” formuliert. Klar ist natürlich auch, dass der im Umgang mit den offengelegten Informationen ein hohes journalistisches Verantwortungsbewusstsein erfordert.

Am besten wären sicherlich viele unabhängige “Wikileakse”, um die Gefahr einer Monopolisierung bzw. möglicher Instrumentalisierung oder anders gearteten Entgleisung schon im Vorfeld zu bannen. Damit wir auch zukünftig erfahren dürfen, dass Papst Ratzinger Genmanipulaton unterstützt oder die USA an europäischen Netzzensur-Gesetzen maßgeblich mitschrieb

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4 Kommentare zu „Julian Assange und Wikileaks: gut, böse oder einfach nur naiv?“

  • martha sagt:

    Hallo Thomas,

    interessanter Artikel….ich habe auch schon gezweifelt an Julian Assange. Dass er so im Vordergrund steht, kommt durch die Sache mit den Damen. Er wurde ja gesucht durch Interpol usw. Darum bin ich mir nicht sicher, ob er wirklich so in die Öffentlichkeit wollte. Nun ist er überall bekannt, ist das ein Vorteil?? Er wurde/wird elektronisch überwacht….welcher freiheitsdenkende Mensch will das?
    Vielleicht hat er sich aufgeopfert für die gute Sache und er wird auch nicht mehr viel tun können, darum müssen andere anonym weiterarbeiten……Bitte fall ihm nicht in den Rücken, das würde bedeuten, dass niemand mehr “whistleblowers’ glauben wird.
    Es ist so einfach Leute schlecht zu machen, was ja auch ständig passiert. Denkt nicht in Macht-termen sondern in Kraft-termen.
    Lg
    Martha

  • leser sagt:

    Assange ist eine ganze Weile lang zu Beginn der Affäre mit sehr merkwürdigen Bildern im Netz gezeigt worden. Sämtlich mit Freimaurersymbolik. Finger zum Auge etc., sämtlich von schlechter Qualität und nicht eines davon eine zufällige oder normale Geste; allesamt übertrieben und in der Art eines Freimaurer-Einsteigers, linkisch, ungeübt, übertrieben und geltungssüchtig ausgeführt. Assange betreibt was ihm befohlen wurde.
    Er unterstreicht bei Interviews seine Annahme, die Geschichten der Regierung über WTC 9/11 etc seien richtig und noch so einiges mehr.
    Und, zufälligerweise wird als einziger deutscher Politiker ausgerechnet zu Guttenberg als Lichtblick genannt, der vom CFR ausgesuchte, von Rockefeller und Tavistock geschulte kleine Guttenberg, der seiner Aufgabe einfach noch nicht gewachsen ist.
    Mit Wikileaks wird die Internetzunsur vorbereitet, die Manipulation der internationalen Masse hat perfekt funktioniert, jede Menge aufopferungsvoller Helfer, die jetzt vermutlich alle auf schönen Listen stehen, gaben sich zu erkennen.

    Lesen Sie mal THE CITY OF MEN I, II und II
    Johannes Rothkranz und gleich danach
    Das Komitee der 300, John Coleman

    und dann noch Fritjof Capra “Das neue Denken”, damit Sie auch mal vom schönen Schein lesen.

    Wie heisst es: “Man kann gar nicht soviel essen wie man kotzen möchte!”

  • bernhard sagt:

    hallo Thomas,

    wenn Spiegel, Guardian und Nyt zeitgleich die Veröffentlichung bisanter Wikileaksveröffentlichungen ankündigen, so liegt dies im Interesse der Besitzer des Medienmainstreams. Jene sind Teil der Weltfinanzelite, die alles daran setzt, das vorherrschende System der Umverteilung von Arm nach Reich via Zinseszins aufrecht zu erhalten. So muss man leider annehmen, dass mit Julian Assange ein weiterer ehermaliger Protagonist der Wahrheit die Seiten gewechselt hat. Die Methoden des Dolce vita sind wohl zu verführerisch.
    Seine Veröffentlichungsagenda dient zweifelsohne den Interessen dieser Elite. Sie zielt auf Krieg gegen Iran ab und verbietet den klaren Blick auf 9/11.

  • PC-Blog sagt:

    Es ist schon merkwürdig ruhig geworden um Wikileaks und Julian Assange. Könnte natürlich auch sein, dass da im Hintergrund einge Deals abgelaufen sind. Geld, Straffreiheit bei der Vergewaltigungsgeschichte, einen gewissen Status, wie ihn nur Länder verleihen können, wer weiss? Zumindest fällt auf, dass nach dem anfänglichen weltweiten Hype, der seinesgleichen suchte, mittlerweile gegen Null tendiert. Grüße aus Berlin

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