Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Was hat sie sich im Vorfeld des Eurovision Song Contest nicht alles anhören müssen: Wie ein schwedischer Sprachtherapeut klänge sie, der Ali G. versucht zu imitieren, so die einen und titulierten sie als Dialekt-Desaster. Andere erinnere ihre Aussprache an die eines australischen Outbackbauern. Auf der Bühne bewege sie sich wie ein “demenzkrankes Pferd”, schrieb jemand in einem Forum, im Rampenlicht zappele “Miss Kiss Kiss Belanglos” spastisch vor sich hin, meinte gar der FOCUS in der Besprechung ihres ersten Albums.

Doch dann hat sie’s allen gezeigt und in Oslo gewonnen, nachdem ihre Single “Satellite” zuvor die deutschen Charts gestürmt hatte: Lena Meyer-Landrut, das neue deutsche Fräuleinwunder. Niemand polarisierte die Medienlandschaft in letzter Zeit mehr mehr als die 18-Jährige, niemand spaltete die Nation derart in zwei Teile.

Derweil gibt es genügend Belege, dass es gerade das Schräge, das vermeintlich “Gesponnene” ist, das fasziniert und dazu verführt, die Massen “mitzureißen”. Björk hat es vorgemacht, oder auch ihre isländischen Kollegen von Sigur Rós, die großteils in einer Fantasiesprache singen und damit die Welt eroberten.

Hierin findet sich auch die Erklärung, warum Lena so erfolgreich ist: Sie lebt und verkörpert das, was sich viele von Leitfiguren wünschen: Unangepasstheit, Mut zum Anderssein – und vor allem Authentizität.

Genau diese Attribute vermisst man bei denen, die hierzulande das Sagen haben. Kein Wunder also, dass die Abstimmung bei Casting-Shows einem Urnengang bei der Bundestagswahl vorgezogen wird, obwohl erstere sogar kostenpflichtig sind (vgl. auch den Beitrag “Warum Televoting-Shows der Renner sind und was wir daraus lernen können” in zeitgeist-Printausgabe 1-2006).

Und selbst wenn sie dann außerplanmäßig abtreten, unsere aalglatten Volksvertreter, kräht kaum mehr ein Hahn nach ihnen. Die Ratten verlassen das sinkende Schiff, hör ich schon einige spötteln. Erst Roland Koch, nun Horst Köhler. Wer kommt als nächstes? Stehen gar in Kürze Neuwahlen an, wie spekuliert wird?

Armes Deutschland.

Nun denn, bald ist Fußball-WM. Wer da obsiegen wird, steht schon fest: Brot und Spiele.

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2 Kommentare zu „Lena vs. Bundeshorst: Deutschland – wohin?“

  • Luzifer sagt:

    “Unangepasstheit, Mut zum Anderssein – und vor allem Authentizität.”

    Wie bitte? Was ist das für Unfug? Geradezu lächerlich. Wie wollen sie ihre Aussage begründen?

    “Nun denn, bald ist Fußball-WM. Wer da obsiegen wird, steht schon fest: Brot und Spiele.”

    Ach, und der “Song Contest” ist ein wahrhaftiger Künstlerwettbewerb, bei dem es nur ehrlich zugeht und der auch nichts mit “Brot und Spiele” zu tun hat?
    Soviel Naivität noch in ihrem Alter. Lassen sie sich einliefern oder nehmen sie andere Medikamente. Die jetzigen machen sie einfach nur blind und lächerlich.

  • @ Luzifer

    Bitte meinen Text nochmals lesen, verstehen und dann überlegen, ob sich ein Losbrüllen lohnt. Die genannten Attribute beziehen sich auf Lenas eigenwilliges, nicht-konformes Auftreten und den damit verbundenen Erfolg und nicht auf den “Eurovision Song Contest”. Letztgenannter unterscheidet sich von anderer seichter Unterhaltungskost um keinen Deut.

    Und zu meinem Schlusssatz mit der Fussball-WM: Schon mal was von Sarkasmus gehört?

    Noch ein Wort zur Form: Kritik üben kann jeder, ernstzunehmen ist sie jedoch nur von jemandem, der auch zu ihr steht. Leider, werter Luzifer, haben Sie Ihr Geschreibsel weder mit richtigen Namen unterzeichnet, noch finde ich auf Ihrer Webseite, die Sie anonym über einen großen Bloghoster betreiben, ein Impressum. Ziemlich feige für jemanden, der derart austeilt, zumal unter der Gürtellinie.

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