Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Bis kurz vor 19 Uhr haben gestern wohl nicht wenige geglaubt (oder gar gehofft?), die D-Mark würde zu uns zurückkehren – und fanden dazu noch Nahrung bei einem Radiosender, für kurze Zeit zumindest. Doch dann zeichnete sich das ab, was realistisch betrachtet (vgl. den vorherigen Blogeintrag “9 Gründe gegen die ‘D-Mark-2′”) geschehen musste: keine Kanzlerin im Fernsehen, keinerlei Meldungen oder Bekanntmachungstafeln über eine Währungsreform, und am Montag sicher auch keine neuen DM-Scheine am Bankschalter.

Spätestens gestern, als Merkel vor einem Scheitern des Euros warnte, hätte es dem Allerletzten dämmern müssen, dass die Gemeinschaftswährung so einfach nicht aufgegeben werden wird.

In meiner Hausbank fing ich gegen 17Uhr30, kurz vor Schalterschluss, die Stimmung ein: Auf die Frage, ob die Damen hinter dem Kassenschalter schon etwas von dem rege im Netz kursierenden Gerücht einer Währungsreform vernommen hätten, erntete ich zunächst verdutzte Blicke – nach dem Motto, wie ich denn auf diese aberwitzige Idee käme, eine derart absurde Frage zu stellen. Schließlich meinten sie unisono: “Die gute alte DM zurück? Hätten wir gerne, wird aber sicher ein Wunschtraum bleiben”. Von Bankangestellten, die angeblich zu einer Verschwiegenheit verdonnert wurden, keine Spur. Überhaupt herrschte eine insgesamt entspannte Atmosphäre im Geldinstitut.

Im Web hingegen überschlugen sich die Ereignisse in den vergangenen zwei Tagen. So tauchten etwa verschiedene Fotos der neuen DM-Scheine auf, z. B. hier und da, die schnell jedoch als Fakes entlarvt wurden (Variante 1 bzw. 2). Manch einer konnte es wohl nicht lassen, sich einen Spaß aus der ganzen Sache zu machen. Oder waren es gezielte Irreführungen? Erfreulich jedenfalls, dass es noch Leute gibt, die eigenständig nachrecherchieren und nicht jeder Ente auf den Leim gehen. So ist es einem aufgeweckten Leser auch gelungen, Aufschlussreiches zur Motivation der Betreiber jenes Forums herauszufinden, in welchem die ganze Geschichte ihren Anfang nahm.

Ich bin der festen Meinung, dass sich in Zeiten des Internets einschneidende Ereignisse, wie eben eine Währungsreform, kaum bis ins Letzte verheimlichen ließen, zumal es in einem solchen Fall jede Menge Eingeweihte, Mitwisser und Vorabkorrespondenz geben müsste. Irgendetwas Glaubhaftes würde durchsickern, an richtiger Stelle und nicht in irgendeinem dubiosen Forum.

Fakt indes bleibt, dass die DM-2-Täuschungsaktion verschiedene Profiteure hatte (und noch haben wird): Diejenigen Spekulanten, die auf einen hohen Goldkurs hoffen (jener durchschlug gestern die 1000-er-Marke), und diejenigen, die auf einen sinkenden Euro-Kurs setzen und alles dafür tun, die Währung weiter in Misskredit zu bringen. Dazu gehören auch Meldungen über Presseagenturen wie etwa diese. Im Grunde riecht alles nach einem Ablenkungsmanöver von einem viel wahrscheinlicheren Szenario: dem Dollar-Crash …

Auf lange Sicht wird es wohl auf eine überpolitische Weltwährung hinauslaufen – mit allen Vor- und Nachteilen: Währungsspekulationen, etwa über Hedge-Fonds, hätten ein für alle Mal ein Ende; auf der anderen Seite wäre vermutlich noch stärkere Überwachung und Gläsernheit der Preis dafür, auch mit der schwebenden Gefahr des Missbrauchs.

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8 Kommentare zu „Internet-Hype um eine Währungsreform fern der Realität“

  • Hilfe !!! sagt:

    Es ist schon eigenartig wenn man dem Volk beteuert: “Es ist Fünf vor 12!” und zum eisernen Sparkurs aufruft, wir hätten über unsere Verhältnisse gelebt, im Gegensatz dazu sich selbst aber die DIÄTEN noch einmal kräfig aufstockt.
    Wo liegt hier noch die Glaubwürdigkeit !
    Ob Euro oder DM – beide Währungen werden uns allen in der Zukunft nichts Gutes bescheren.
    Wir sind eher angehalten ein wachsames Auge auf diejenigen zu richten, die Hilfspakete schnüren, Notstandsgesetze für Banken schaffen Bsp EZB.
    Was ändert da die DM wenn der ganze Zirkus von Neuem losgeht und nicht endlich diejenigen zur Kasse und Verantwortung gezogen werden, die diese ganze Misere verursacht haben.
    Frage: Wer hat denn den Euro zur Weichwährung gemacht !
    Die Maastrichtkriterien aufgeweicht, gings weiter zum nächsten Schritt u.u.u.
    Ein Neuanfang ist unausweichlich !
    Ja jetzt wo die Leute aus purer Zukuftsangst ins Gold etc. ander Währungen flüchten zeigen die hochkarätigen Chefs ala Ackermann ihr wahres Gesicht.
    Es war schon immer so, Gold ist das GIFT der Bank.
    Nicht die Griechen, die Portugiesen oder die Spanier sind unsere Feinde sondern das Banken-Politikerkomplott.
    Hätten wir Deutschen vielleicht NEIN gesagt wenn uns das Geld so in den Rachen geschoben wurde.
    Wir sollten uns eher fragen: Wer hat eigentlich in der Vergangenheit daran verdient und versucht jetzt auf unser aller Rücken seine Felle zu retten.
    Wir sind gut beraten uns darüber ernsthafte Gedanken zu machen , wer bei einer DM Wiedereinführung profitieren wird. Nicht wir das Volk !!! sonderne die Banken und der Staat. Wir werden kräftig enteignet, damit der gleiche Hühnerhaufen wieder die RESET-Taste drücken kann.

  • Bernd sagt:

    Wie seriös ist das Bashing?

    Gibt es nicht sehr viele Experten, die vor den Gefahren des Euros warnen?

    Ist die Verschuldung der Staaten nicht eine Gefahr, die eine Währung kollabieren lassen kann?

    Ist Ihnen vielleicht die Seite: unbekannt?

    Dererlei simplifizierende Artikel sind von der Qualität Tenhagen, der bei WISO warnt, Geld in Fremdwährungen anzulegen.

    Es scheint, der Artikelschreiber befürchtet massive eigene Geldverluste …
    Eine wissenschaftliche Bewertung wäre, einem Gerücht eine Eintrittswahrscheinlichkeit zuzuordnen.

    Dass eine Währungsreform an diesem WE kommt, schätze ich derzeit nicht mehr mit 30 Prozent sondern nur noch mit 5 Prozent ein.

  • Tommy Rasmussen sagt:

    Es drehte sich nie ums Geld sondern immer nur um die Macht. Nur das Volk denkt bei Geld, dass es wertvoll und begrenzt verfügbar wäre. Sie erkennen nicht, dass es beliebig gedruckt werden kann. Die Hochfinanz denkt immer nur an den Machterhalt durch Verschuldung.

    Die Hochfinanz erfand die Regel: Geld kann nur durch Verschuldung oder Ressourcen entstehen! Die Verschuldung von Staaten übernahm die Hochfinanz immer selbst. Die Ressourcen hat sie sich ebenfalls samt und sonders unter den Nagel gerissen.

    Ob es zu einem Crash kommen muss, hängt rein vom politischen Widerstand der Bevölkerung ab. Geld ist immer eine anonymisierte Schuld! Man weiß nicht, wer sich dafür mal verschuldet hat. Durch diese Anonymisierung verliert der Souverän die Kontrolle und damit die Macht über das Geld. Die Macht geht in den Besitz des PRIVATEN Monopolinhabers der Währung über sprich der PRIVATEN ( BIZ in Basel – FED usw.) Hochfinanz, welche die Kontrolle über die Währung hat.
    Langfristig will die Global Governance und ihre Investmentbanker jeglichen Widerstand der Welt brechen und auch das letzte noch nicht eroberte Gebiet der Welt übernehmen. D.h., auch die heutigen Länder der Shanghai Cooperation Organisation (SCO) in der sich 2001 China, Russland, Kazakhstan, Kyrgyzistan, Tajikistan and Uzbekistan, neben anderen Ländern (Achse des Bösen, auch gerne Schurkenstaaten genannt) wie Venezuela, Kuba, Burma oder Nord Korea sowie viele kleinere Gebiete zu einem Wirtschaftsblock zusammen schlossen.

    Diese blockfreien Länder sind die einzigen heute, welche noch teilweise Kontrolle über ihre eigene Währung haben und nur noch wegen der Rohstoffe – welche alle in Dollar – oder Dollarabhängigen Währungen gehandelt werden – in einer gewissen Abhängigkeit sind.

    Die Globalisierung dient der Völkervermischung. Ziel ist die Zweiklassengesellschaft der Auserwählten auf der einen Seite und den vermischten Gojims dieser Welt auf der anderen.

    MAX NEWS

  • Eine “Währungsreform”, bei der nur altes Zinsgeld gegen neues getauscht und bestehende Vermögen/Schulden-Paare “per Gesetz” halbiert oder geviertelt würden, könnte die Wirtschaft nicht retten, solange alles bestehende Sachkapital nicht ebenfalls “halbiert oder geviertelt” würde, um den Zinsfuß anzuheben. Das wäre nur durch einen Krieg möglich!

    Und wenn man schon den Superreichen eine “Weltherrschaft” unterstellt – warum sollten sie so dumm sein, sich durch einen “kontrollierten Crash” (falls so etwas möglich wäre) mit anschließender “Währungsreform” ihre Vermögen halbieren oder vierteln zu lassen?

    Eine freiwirtschaftliche Geld- und Bodenreform bringt dagegen die Wirtschaft wieder in Schwung, ohne dass den Superreichen etwas weggenommen wird! Sie werden lediglich “den sanften Tod des Rentiers sterben” (Zitat: John Maynard Keynes), können also nicht länger einen unverdienten Knappheitsgewinn (Geld- und Sachkapitalzins) aus ihrem Besitz ziehen:

    http://www.deweles.de/globalisierung/mut.html

  • Jacob sagt:

    Mark, D-Mark oder Euro – so lang die Preise in allen Bereichen des täglichen Lebens unaufhörlich steigen, ist es mir herzlich egal, auf welche Währung sich dies niederschlägt. Ich wünsche mir in einem Bereich meines Lebens eine finanzielle Entlastung, wenn schon die Löhne nicht ansteigen. Andernfalls wird es in den kommenden Jahren zu einer klaren Verschiebung der Verdienst- und Lebensstandards in der Gesellschaft kommen. Es ist keine Lösung, die finanzielle Misere auf dem Rücken der Mittelschicht auszutragen.

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