Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Vorgestern war Weltkrebstag. Er soll uns daran erinnern, so Pressetext.de,“dass Krebs noch immer zu den großen und oft tödlichen Volkskrankheiten zählt”. Hm, muss man daran wirklich erinnern? Hat nicht fast jeder einen Verwandten, Freund oder Bekannten, dem diese schreckliche Diagnose gestellt wurde?

Interessanterweise konnte bis heute nicht einhellig ermittelt werden, was Krebs wirklich ausmacht. Die Meinungen divergieren weit. Viele Schulmediziner etwa reduzieren ihn, vereinfacht gesagt, auf die Tumore und sind nach wie vor der Meinung, durch Entfernung dergleichen die Krankheit heilen zu können. Systemisch Denkende sehen im Krebs den Ausdruck eines entgleisten Prozesses, der nur mit einem ganzheitlichen Ansatz nachhaltig korrigierbar sei. Der gebrandmarkte Hamer wiederum deutet in der Tumorbildung bereits die Heilungsphase …

Problematisch, und häufig übersehen bei der Entwicklung des Erkrankungsgeschehens, ist aus meiner Sicht die Rolle der Diagnosestellung als solche.Gerade die Identifikation mit einem Krankheitsbild – ein Weißkittel verkündet die magischen Worte “Sie haben Krebs” (oder auch “Sie sind HIV-positiv”) – kann bei psychisch labilen Menschen einem Todesurteil gleichkommen. Der zuvor noch stabile Immunstatus rast in den Keller …

Trotz der Vielzahl an existierenden Ansätzen, Methoden und Verfahren erkranken allein in Deutschland jährlich rund 440.000 Menschen neu an Krebs, weltweit sollen es mehr als zwölf Millionen sein. Immerhin: Was mancher Experte schon länger erkannt hatte, nämlich den Zusammenhang zwischen länger anhaltenden Entzündungen und Krebs, scheint seit einigen Jahren auch in der Wissenschaft Fuß zu fassen. Im Grunde weiß doch auch der Laie, dass Krebs in der Regel nicht von heute auf morgen entsteht, dass der Körper sehr wohl “Alarmsignale” sendet, die man lieber überhört oder aber erst (zu) spät fürwahr nimmt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Internationale Vereinigung gegen Krebs (UICC) rückten dieses Jahr die Krebsprävention in den Vordergrund, heißt es seitens Pressetext.de. Ein guter Gedanke. In der Meldung allerdings wird kritiklos zu mehr Impfungen und Vorsorgeuntersuchungen geraten. Berufen wird sich im Beitrag auf die Helmholtz-Forschungsgemeinschaft. Im Fuß der Meldung steht: “Focusthema Pharma”. Handelt es sich hierbei nun um unabhängige Berichterstattung oder betätigte sich womöglich die Pharmaindustrie Sponsor?

Längst ist doch bekannt, dass Impfungen gegen Krebs kein probates Mittel sind, ja sogar schlimme Nebenwirkungen zeitigen können, wie etwa im Falle des Gebärmutterhals-Krebs (HPV). Auch Vorsorgeuntersuchungen sind nicht ohne Risiko, wie man weiß. Christian Weymayr und Klaus Koch hatten dies in ihrem 2003 erschienen Titel “Mythos Krebsvorsorge – Schaden und Nutzen der Früherkennung” umfassend recherchiert.

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1 Kommentar zu „Weltkrebstag – im Zeichen der Prävention?“

  • Uwe Habricht sagt:

    Ergänzend zu Ihrem Artikel denke ich, dass der “Weltkrebstag”, die “Aidsgala” und wie die Anbetung der Krankheiten alle heißen, zur gesellschaftlichen Konsolidierung dieser in sich krankmachenden Diagnosen beiträgt. Die Schlagworte implizieren bereits, dass es darum geht, AIDS (es sind Initialien und müssen eigentlich durchweg groß geschrieben werden!) feierlich zu “gedenken”, genauso wie der “Armut”, “Krebs” usw.

    Wir unterliegen mittlerweile einer nekrophilen Phraseologie in den mainstream-Medien, dessen Wirkungen für mich die weitaus schlimmere Krankheit darstellt, die kollektive Neurose der Verdrängung durch Fixierung auf das Kranke und Destruktive. Damit aber können wir Störungen in organischen Systemen nicht mehr überwinden, sondern tanzen um sie herum, wie um ein Götze.

    Sie sprachen in Ihrem Artikel schon an, was zur Heilung führt: Die sachgerechte Auseinandersetzung mit diesen Störungen und deren Ursachen und Gesetzmäßigkeiten, sowohl auf gesellschaftlicher Ebene, als auch auf der Ebene des Organismus “Mensch”. Fast allen Störungen liegt ein Trauma zugrunde. Aber gerade die wird ja vermieden (siehe Hexenjagd “Hamer” und andere). Und so tanzen wir um den heißen Brei mit diesem aktionistischen Getue; im Festtagsgewand selbstverständlich. Hauptsache, es glänzt.

    Deshalb stehe ich solchen “Events” wie den Weltkrebstag, oder der “Welthungerhilfe” (wird hier dem Welthunger geholfen?) sehr sehr skeptisch gegenüber.

    Siehe auch mein Artikel “Der Verlust der Ethik. Die nekrophile Phrasenideologie der Gegenwart”, auf meiner HP kostenlos verfügbar)

    Herzliche Grüße und einen schönen Tag wünscht, Uwe Habricht

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