Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Stern-Heft 29/2009: Popstar Guttenberg

Stern-Titel 29/2009: "Popstar" zu Guttenberg

Heute nachmittag las ich auf der Startseite von T-Online: “Wählergunst: Guttenberg ist beliebtester Politiker.” Im Text heißt es weiter, er habe – analog einer Emnid-Umfrage sowie der des ZDF-Politbarometers– inzwischen sogar seine Chefin überholt. “Der Aufstieg des schwarzen Barons scheint unaufhaltsam zu sein …” Der Stern fragte zuvor bereits (in seiner Nummer 29 vom 9. Juli): “Kann er auch Kanzler?” Guttenberg grinst dort vom Titelbild – wirkt aber eher so, als hätte er die Nacht durchzecht und keine Zeit mehr gefunden für eine Rasur. Auf die junge Generation mag das “cool” wirken, wie ein Popstar eben – aber doch nur dann, wenn Politik mit Hollywood verwechselt wird!

Warum stehen die großen Medien plötzlich geschlossen hinter Guttenberg? Ist er tatsächlich so beliebt beim Volk, wie uns erzählt wird? Und falls ja, weshalb dann? Was hat er bisher geleistet (Zur “Qualifikation” Guttenbergs hatte ich an anderer Stelle bereits berichtet)? Wird hier womöglich versucht, medial einen neuen “Leader” aufzubauen, einen, den das Volk als charismatisch einstufen könnte, ganz nach dem Vorbild der “Obama-Methode”?

Ein Hinweis in eigener Sache sei erlaubt: In der demnächst erscheinenden zeitgeist-Printausgabe wird genau darüber, über Methodik und Raffinesse des so genannten “Mythosmarketing”, zu lesen sein. Übrigens: Obamas Beliebtheit ist in den Staaten inzwischen am Kippen, was von manchen (wenigen) Experten so vorhergesagt wurde. Auch darüber mehr im kommenden Heft.

Noch ein Wort zur besagten Sternausgabe: Nach der 10-seitigen Lobeshymne auf den adligen “Aufsteiger, der von oben kommt” (Stern), folgt auf der nächsten Seite eine einseitige Glosse über “Parasitäre Banken”. Dort steht wörtlich: “Sie kassieren Staatshilfe, schröpfen ihre Kunden und verweigern den Firmen Kredite. Damit verschärfen die Herren des Geldes die Krise, die sie selbst ausgelöst haben. Nichts Neues zwar, erfreulich aber immerhin, dass der Stern den größeren Zusammenhang der Finanzkrise mittlerweile auch erfasst zu haben scheint. Und dann kommt es: “Für den Skandal ist die Politik mit verantwortlich.” Wie jetzt? Unser Wirtschaftsminister wurde doch gerade noch in den Himmel gerühmt …?

Vielleicht hofft die Stern-Redaktion ja darauf, dass deren Leser nicht weiterdenken? Wie dem auch sei: Wer es doch wagen möchte, einen Blick hinter die Kulissen des schönen Scheins zu werfen, dem sei die Lektüre des “Guttenberg-Dossiers” ans Herz gelegt: ein Dreiteiler von zeitgeist-Autorin Friederike Beck über die geistigen Wurzelns des “coolen Barons” (Teil 1 und Teil 2 wurden vor kurzem auf auf zeitgeist Online veröffentlicht, Teil 3 folgt demnächst).


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4 Kommentare zu „Guttenberg, der deutsche Obama?“

  • In der Tat darf man sich wundern, wie “Der Stern”, normalerweise konservativer Neigungen ebenso unverdächtig wie der Ehrfurcht gegenüber altem deutschem Adel, in die Reihe der Guttenberg-Fans einrückt.
    Normalerweise besteht für die Hamburger Linksliberalen die CSU aus grunzenden Dorfdeppen, windigen Spezeln, bigotten schmerbäuchichten katholischen Bierseppeln und selbstzufriedenen, intriganten Lederhosen-Viertelsnazis.
    Wie entsorgt der steinreiche fränkische Aristokrat sämtliche mühsam in Jahrzehnnten gezüchteten und kultivierten hanseatischen antibayerischen Ressentiments im Handstreich?
    Der Mann scheint über Zauberkräfte zu verfügen.

  • Cornelius sagt:

    I added your blog to bookmarks. And i’ll read your articles more often!

  • Reinhard sagt:

    Unser Wirtschaftsminister hat den Vogel abgeschossen. Da holt der sich Unterstützung bei einer britischen Wirtschaftskanzlei, um sich bei dem Gesetzesentwurf zur Zwangsverwaltung von Banken, beraten zu lassen. Also ich dachte ja immer, dass das Wirtschaftsministerium genau dafür zuständig wäre, aber gut ich lasse mich da ja gerne belehren *IRONIE*. Ganz großer Bockmist Herr von und zu Guttenberg.

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