Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

In den großen Wirtschaftszweigen seien echte Innovationen seit Jahrzehnten Fehlanzeige; vermeintlich neue Produkte stellten lediglich Variationen oder Modifikationen bereits am Markt befindlicher Technologien dar, las ich neulich und musste dem – weitestgehend – zustimmen. Es sollte wirklich einmal hinterfragt werden, warum seit Elektrizität, Glühbirne, Dampfmaschine, Auto und Rundfunk nichts wesentlich Neues mehr entwickelt wurde? Haben wir tatsächlich einen Erfindermangel, gerade hier, im (ehemaligen) Land der Dichter und Denker? Sind wir träge und faul geworden?

Oder liegt es eher an der Marktmacht großer Firmen? Warum auch sollten sich Konzernbosse in größere Investitionen stürzen, solange sich die “Cash-Cow” noch melken lässt? Würden wir längst Drei-Liter-Autos fahren, wenn es die Mineralöllobby nicht gäbe – oder womöglich schon ganz andere Energieformen breitenwirksam nutzen, wie etwa den Wasserantrieb? Oder gibt es sie sogar schon, die revolutionären Neuentdeckungen? Fristen sie nur ein Schattendasein in den Schubladen Shareholder-Value-höriger Investoren? Oder zumindest in den Köpfen vermuteter brillanter Forscher? Müßig, darüber zu spekulieren …

Ein Sektor wenigstens hat Innovationsgehalt: die Informationstechnologie. Mobiles Computing, Vernetzung via Internet, Künstliche Intelligenzen – und natürlich die Robotik. Wie weit da die Technik da schon ist, überrascht immer wieder: Maschinen bekommen zunehmend humanoide Züge, erweisen sich als Helfer des Menschen (z. B. bei autistischen Kindern), ja machen sogar Erfindungen (wenigstens die Roboter tun dies, wenn schon die Menschen nicht in die Gänge kommen – siehe oben). Die regelmäßig stattfindenden Roboterfussballturniere demonstrieren den Stand der internationalen Forschung auf spielerische Weise.

Überhaupt ist die Spieleindustrie ein willkommenes Test-Terrain, auch für Virtuelle Realitäten. Die Trennlinie zwischen scheinbarer und realer Welt wird in nächster Zeit noch unschärfer werden. Der diesbezügliche Fortschritt kann an den großen Hollywood-Produktionen abgelesen werden. Mit Spannung erwartet wird beispielsweise der neue Film von James Cameron, der den Titel “Avatar” tragen wird und die 3D-Technik revolutionieren soll.

Ein anderes Beispiel ist die sogenannte “Augmented Reality”, bei der z. B. computergenerierte Objekte mit echten Videobildern verschmelzen. Wie so etwas aussehen kann, sieht man in nachfolgendem Film:

Manche Firmen machen sich dies bereits zunutze, wie etwa das US-Unternehmen General Electric. Auf deren Website kann man auch eigene Experimente mit Augmented Reality unternehmen, vorausgesetzt, man hat eine Webcam.

Und wie lautet nun das Fazit: Technik als Spiegel der Gesellschaft – oder Gesellschaft als Spiegel der Technik?


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1 Kommentar zu „Von Innovationsmüdigkeit und erweiterten Realitäten“

  • Tilman sagt:

    Hallo,
    Ihr Blog gefällt mir sehr gut. Hübsch und aufgeräumt.
    Die Innovationsmüdigkeit sehe ich auch, allerdings sehe ich vor allem auch dass viele Geräte einfach schon ausgereift sind, und von der Industrie einfach verbissen versucht wird dem Konsumenten noch zu erklären warum er trotzdem ein neues Handy / einen neuen Flachfernseher / einen neuen MP3-Player braucht. Irgendwie hat die Industrie sich in den letzten Jahrzehnten diesen Rhythmus angewöhnt, in dem ein Gerät nach zwei Jahre allserspätestens als veraltet gilt. Und die aktuelle Innovationsfrequenz gibt diesen Rhythmus eben nicht her. Und wird ihn bei den angesprochenen Produkten wohl auch nicht mehr hergeben – hier ist m.E. Umdenken gefragt.

    LG
    Tilman

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