Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Vergangenen Samstag war “Earth Hour”. Haben auch Sie Ihr Licht gehorsamerweise eine Stunde lang “gegen den Klimawandel” ausgeschaltet? Ich nicht, zumindest nicht absichtlich (vielleicht saß ich ja gerade im Dunkeln auf dem Sofa, zufällig, und gönnte mir eine Verschnaufpause. Ich habe nicht auf die Uhr gesehen …).

Warum ich mich da nicht voller Enthusiasmus beteilige? Das hat mehrerlei Gründe. Erstens bin ich grundsätzlich nicht dabei, wenn es “gegen” etwas geht. Ich bin lieber “für” etwas. Zweitens können wir als Menschen nur marginal etwas zu einer Klimaveränderung beitragen, in welche Richtung der Wandel sich auch vollziehen mag (Erwärmung oder Abkühlung). Hier sind ganz andere Einflussfaktoren wesentlich, wie etwa die Sonnenaktivität ( vgl. die Veröffentlichungen in den zeitgeist-Heften 1-2008 und 1-2009). Drittens hat solch eine Aktion faktisch kaum Auswirkung auf den Stromverbrauch, denn Licht ist in privaten Haushalten eine unbedeutende Größe (Anteil nur rund 8 % laut BDEW). Überdies können kurzfristige Stromnachfragelöcher technisch gesehen zu erhöhtem Aufwand bei den Versorgern führen – oder gar die Anlagen Schaden nehmen lassen (mit fatalen Konsequenzen für sensible Einrichtungen wie z. B. Krankenhäuser), ebenso bei Spitzen durch Induktion beim Wiederanschalten. Rein ökonomisch also eine Milchmädchenrechnung.

Ach ja, bleibt noch die Symbolkraft des Ganzen. Symbol für was eigentlich? Als Stimme für die Erde, heißt es in der Werbung für die Aktion. Hm, was aber hat die Erde davon, wenn es auf ihr eine Stunde lang etwas dunkler wird als sonst? Wird unsere Welt dadurch besser? Werden wir mit uns und unserer Mitwelt dadurch menschlicher umgehen? Ich bezweifle das. Eher wird sogar das Gegenteil passieren: Viele sind nun der Meinung, durch Beteiligung an der Aktion mal wieder etwas “Gutes” getan zu haben (und das eigene (schlechte) Gewissen wurde gleich mit beruhigt). Düstere Aussichten …

Wem nützt es sonst? Bei der “Earth Hour” ist der WWF Hauptinitiator. Die Organisation ist nicht ganz unumstritten, was ihre Gründer und deren tatsächliche Motivation angeht (siehe z. B. hier). Wäre man böse, könnte man hineinlegen, dass solche Kampagnen eine Form von Beschäftigungstherapie darstellen, blindem Aktionismus, der uns vom Wesentlichen abhalten soll: dem eigenständigen Denken und Hinterfragen. Hier besteht echte Verdunklungsgefahr.

Solange wir geistig im vorherrschenden Paradigma verhaftet bleiben, wird sich im größeren Rahmen nichts ändern. Auch nicht durch (emotionale) Erpressung.

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McDo Blog

Ein bisschen "Earth Hour" bei McDonalds

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1 Kommentar zu „“Earth Hour”: Licht aus gegen den Klimawandel – oder eher geistige Umnachtung?“

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