Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Was ist nur los mit unserem Geld? Vorbei sind die Zeiten, als von harten Währungen die Rede war. Wird der Euro an Wert behalten oder bald kaum mehr das Papier wert sein, auf das er gedruckt ist? Kommt über Nacht eine Währungsreform wie bei der Einführung der DM 1948?

Fragen, die sich immer mehr Menschen stellen – und auf die es aufgrund historischer Einmaligkeit mindestens so viele spekulative Antworten gibt wie selbst ernannte Experten. Versuchen wir uns bei einer Annäherung also möglichst an Fakten zu halten, an solche, die einigermaßen gut überprüfbar sind.

Fakt ist, dass sich einige Nationen über die Maßen verschuldet haben und kurz vor der Pleite stehen, so etwa Island, die Ukraine und Ungarn. Doch auch innerhalb der EU sind manche Kandidaten wackelig geworden, zuvorderst Griechenland und Irland, dann auch Österreich (wegen seines sorglosen Osteuropa-Engagements und der drohenden Uneinbringlichkeit der Kredite), Italien sowie noch Spanien und Portugal. Was jedoch würde ein Staatsbankrott bedeuten, fragte unlängst selbst die FAZ online. Was passiert, wenn Staatsanleihen gänzlich an Vertrauen verlieren? Im Gegensatz zu einem Wirtschaftsunternehmen existieren für Staaten keine verbindlichen Richtlinien, keine geregelten Verfahren, eine Insolvenz anzumelden oder abzuwickeln …

Auch Fakt ist, dass die EU-Staaten alles dafür tun werden, die Europäische Währungsunion zu retten. Denn liefe ein EU-Mitglied auf Grund, käme das einem nicht wiedergutzumachendem Imageverlust des Euro gleich. Um das zu verhindern, gäbe es genug “Löcher in den EU-Verträgen”, berichtete mir neulich ein Informant aus Zentralbankkreisen. Offiziell bekanntgegeben würde das allerdings unter keinen Umständen, weil sich Länder wie Griechenland dann nicht mehr anstrengten. Es soll schließlich vermieden werden, dass z. B. der deutsche Michel mit Steuermitteln für griechisches Missmanagement aufkommen muss.

Zudem würde das Ausscheren eines einzelnen EU-Mitglieds aus dem Währungsverbund dessen Untergang bedeuten. Denn holten beispielsweise die Griechen ihre Drachmen wieder aus dem Keller, würde auf dem Devisenmarkt umgehend mit Arbitragegeschäften gegen diese Währung spekuliert, also auf fallende Kurse gesetzt. George Soros und Konsorten haben ihre “Qualitäten” diesbezüglich bereits mehrfach bewiesen …

Weiterhin Fakt ist, dass die Buchgeldmenge in den letzten Jahrzehnten dramatisch angestiegen ist. Da die Vermögen stets in gleichem Maße anwachsen wie die Schulden, ist im Großen betrachtet der derzeitige Vermögensverfall gleichbedeutend mit einem Schuldenerlass. Und der dürfte bei der Überschuldung vieler Staaten durchaus erwünscht sein (einen interessanten Vortragsmittschnitt dazu gibt es hier). Allerdings findet dabei auch eine Umverteilung realer Vermögenswerte (wie etwa Immobilien, Grundstücke, Produktionseinrichtungen etc.) statt: Geldbesitz nicht des Geldes Willen, sondern als Mittel wird zum Zweck …

Die kursierende Geldmenge erhöht sich munter weiter – und damit die Entwertung der betreffenden Währung. Erst vor ein paar Tagen wurden von der US-Notenbank über eine Billion (!) Dollar nachgedruckt, um die horrenden Schulden begleichen zu können. Die Geschichte scheint sich zu wiederholen, brachte es ein Blogger auf den Punkt: Wird ein Leib Brot bald wieder eine Million (die Währung dürfen Sie sich aussuchen) kosten?

Fakt ist jedoch ebenso, dass bei sehr starker Abwertung einer Währung von der Bevölkerung automatisch auf wertstabilere Tauschmittel zurückgegriffen wird. So geschehen nach dem Zweiten Weltkrieg, wo amerikanische Zigaretten das Mittel der Wahl waren, ehe die Deutsche Mark die Reichsmark ablöste. Damals gab es 40 DM Startgeld für jeden. Die ausgegebene Geldmenge wurde bewusst gering gehalten, da man nicht wusste, wieviel reale Werte in der Wirtschaft noch vorhanden waren.

Und heute im Fall der Fälle? Tauschmittelersatz könnten womöglich die bereits vielerorts vorhandenen und zum Teil bereits erprobten Komplementärwährungen (zeitgeist berichtete in Heft 1-2007) wie etwa der Regio sein …

Dennoch wird ersichtlich, dass selbst gut recherchierte Fakten hier unweigerlich zu weiteren Fragen führen und wir uns in den fantasievollsten Szenarien verlieren könnten.

Jemand hat einmal gesagt, unser Geldsystem sei zu komplex geworden, um es noch verstehen zu können. Manchmal hat es tatsächlich den Anschein.

— Anzeigen —

auxmoney.com - deine Kredit Alternative



1 Kommentar zu „Wie lange noch währt die Währung?“

  • Ingo Neitzke sagt:

    “… Geldsystem sei zu komplex geworden, um es noch verstehen zu können. Manchmal hat es tatsächlich den Anschein.”

    Vermissen Sie ebenfalls eine Quelle oder einen öffentlichen Platz zur Beseitigung des Anschein? Ich fühle mich im Moment motiviert danach umzuschauen. :-)

Kommentieren

März 2009
M D M D F S S
« Feb   Apr »
 1
2345678
9101112131415
16171819202122
23242526272829
3031  
Buchneuerscheinungen

Die aktuelle Printausgabe
Unser Topseller
zeitgeist auf Facebook!

Facebook-Logo

Anzeige
Aus dem Verlagsprogramm
Beliebt (letzte 180 Tage)
  • No results available
Translator
Anzeige

Anzeige
Letzte Kommentare
  • Steve: Im Prinzip ganz einfach: quit pro quo. Will ich etwas für mich haben, muß ich etwas geben. Das Universum als...
  • Kai: Also, bei mir funktionieren die Bestellungen, egal ob im finanziellen Bereich, im partnerschaftlichen Bereich...
  • Mein Idol Michael: Hi Leute, ich habe alle Kommentare gelesen! Ein gewisser Michael Jackson hat ein...
  • Celine MJ I LOVE YOU: Hey Michael und alle zusammen, ich weiß nicht ob ich es glaube das es Kommentare gibt wo du...
  • Laura: Ich hoffe, dass Michael nicht irgendwann eure Kommentare lesen muss. Ich bin kein Fan gewesen von ihm. Jedoch...
Anzeige