Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

2009 wurde zum Darwin-Jahr erkoren – der wohl bekannteste Vertreter der Evolutionstheorie wäre dieses Jahr 200 Jahre alt geworden. Das EVO-Magazin hat dazu eigens eine Homepage gestaltet, und mein Kollege Ron Engert machte es zum Titelthema der aktuellen Ausgabe seiner Zeitschrift Tattva Viveka. Nur zwei von zahllosen Veröffentlichungen, Veranstaltungsankündigungen und anderen Würdigungen – Google meldet bei der Stichwortsuche “Darwin-Jahr” schon jetzt 235.000 Treffer, kaum ein Viertel des Jahres ist vorüber.

Besonders viel Mühe gemacht hat sich der Sender 3sat mit der Flash-Animation “Der Darwin-Code”. Neben allerlei kulturellen Hinweisen und natürlich Ausrissen aus Darwins Biografie sowie Vorstellung verschiedener Mitstreiter und Konkurrenten (vergessen wurde allerdings der britische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer, über dessen bedeutende Forschungserkenntnisse zeitgeist in Heft 2-2007 ausführlich berichtet hatte), ist es vor allem eine Reihe von Video-Clips zu Schlüsselbegriffen der Evolution (“Darwin-Bits”), die besonders gelungen sind, z. B. über Mimikry, Koevolution, Epigenetik oder auch den in die Mode geratenen Kreationismus.

Wünschenswert wäre indes, das Darwin-Jahr auch zum Anlass zu nehmen, den Dialog um die Schwächen bzw. Brüche in der Evolutionstheorie, derer es ja nach wie vor entscheidende gibt, neu zu beleben: so etwa die Entstehung des Lebens überhaupt, dann die des Menschens sowieso, oder auch die der menschlichen Hochkultur als solche, sofern man die Debatte auf archäologische Standpunkte ausweiten möchte.  Darüberhinaus verspräche eine differenzierte Diskussion über die Unterschiede von Mikroevolution (= Anpassung von Arten, z. B. durch kleinere Mutationen) und Makroevolution (= Evolutionssprung über Artengrenzen hinaus) sicher fruchtbare neue Erkenntnisse. Denn während die Mikroevolution heute kaum mehr bestritten werden dürfte, ist es gerade die Makroevolution, die – auch kraft fehlender Funde – nach wie vor fragwürdig erscheint.

Evolution findet immer und überall statt, das ist meine ganz persönliche Beobachtung, womöglich gestaltet sich neues Leben als Phänomen der Selbstorganisation sogar einfach aus dem “Nichts”. Interessant sind in dem Zusammenhang die Studien des Försters Viktor Schaubergers (1885–1958), der die Lebensentstehung in Wasserquellen lokalisierte, oder die des Arztes Wilhelm Reichs (1897–1957) mit seiner Bionforschung (zeitgeist berichtete in den Ausgaben 1-2002 bis 1-2003), wömöglich auch die Wirkungsmechanismen der biologischen Transmutation (vgl. zeitgeist-Heft 2-2006). Am spannendsten jedoch ist und bleibt die Evolution des Bewusstseins, die sich ja im Gegensatz zur trägen Materie viel schneller vollzieht. Gerade in Zeiten des gesellschaftlichen Wandels und einer wachsenden Vernetzung, für die das Internet als Spiegel dienen mag, kommt ihr die vielleicht größte Bedeutung zu.

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1 Kommentar zu „Gedanken zur Evolution im Darwin-Jahr“

  • Marco Canterino sagt:

    Schade ist auch, dass das Thema Kritik an der Evolutionstheorie in den Medien immer sehr einseitig als der absurde Widerstand fundamentalistischer (oder zumindest verklärt naiver) Gruppen an den Erkenntnissen und Errungenschaften der Aufklärung ausgeschlachtet wird.

    Das hier kein wirkliches Interesse an echtem Erkenntnisgewinn durch wissenschaftlichen Diskurs besteht, sondern es nur um dogmatisches Beharren auf der eigenen Ideologie handelt, wird auch in den gängigen Definitionen zu dem Begriff „Intelligent Design“ deutlich. So wird z. B. in der Erläuterung zu „Intelligent Design“ in Spiegel ONLINE mit den Worten „Fundamentalismus im Tarnkleid“ direkt am Beginn des Abschnitts pauschal alle Ansätze in denselben Topf geworfen.
    Hier ist offensichtlich ein Phänomen am wirken, dass wir in der Psychologie als „Prä-Trans-Verwechslung“ bezeichnen. In diesem Fall bezieht man sich zwar i. d. R. auf die Verwechslung von psychotischen (Prä-rationalen) und transpersonal/spirituellen (Trans-rationalen) Erfahrungen aufgrund oberflächlicher Ähnlichkeiten, das Konzept geht aber viel tiefer.
    Es postuliert dass das rationale Bewusstsein, dass mit der Aufklärung kollektiv an Gewicht gewonnen hat und heute das global (bzw. zumindest in der abendländischen Kultur) wohl dominierende Bewusstsein ist, nur ein Zustand in einer Entwicklungslinie des Bewusstseins darstellt. So wie es eben Prä-rationale Bewusstseinszustände gibt, z. B. das magisch-archaische (die sogenannten Wilden, in deren Welt alles beseelt ist) oder das mythische (vertreten v.a. durch die monotheistischen Religionen), gibt es eben auch Trans-rationale Zustände, die wahrscheinlich in 100-200 Jahren das dominierende Bewusstsein darstellen werden. Jedem Zustand entsprechen ganz spezifische Menschen- und Weltbilder; die Darwinsche Evolutionstheorie entspricht eben dem rationalen Bewusstsein. Es zeugt aber von gewaltiger Hybris, hier einen grundsätzlichen Endpunkt in unserem Begreifen der Welt anzunehmen (das bestenfalls noch in Details ausdifferenziert werden muss).

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