Zeit für den Geist
Thomas Röttcher - Curriculum Vitae

Archiv für März 2009

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Dr. Eugen Gabowitsch (1938-2009)

Erst kürzlich ging mir die traurige Nachricht zu, dass der von mir sehr geschätzte Eugen Gabowitsch nicht mehr unter uns weilt. Er verstarb am 21. Januar in seinem 71. Lebensjahr nach mehrmonatigem Leiden. ZeitGeist-Leser kennen Ihnen noch von seinem chronologiekritischen Beitrag aus Heft 1-2004.

Der promovierte Mathematiker Gabowitsch zählte neben Heribert Illig und Uwe Topper wohl zu den bekanntesten Geschichtsanalytikern hierzulande. Ihnen allen war und ist es ein Anliegen – so verschieden ihre Forschungsansätze auch sein mögen – aufzuzeigen, dass so manches an unserer Zeitrechnung nicht stimmt, womöglich gar Jahrhunderte dazu gedichtet wurden. Gabowitsch, der auch recht gewagte Thesen vertreten konnte (wie etwa die, dass die chinesische Mauer, wie wir sie heute kennen, nicht älter als 50 Jahre ist – was er auch entsprechend belegen konnte), legte stets Wert darauf, von erfundener Zeit zu reden, nicht von Zeitfälschung. Letzeres klang ihm zu sehr nach Verschwörung und hätte überdies den Kern der Sache nicht getroffen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Wie Macht – zumeist unsichtbar – wirkt und was sie mit Menschen macht,  versucht ein von der Gesellschafter-Initiative organisiertes Festival in bewegten Bildern vor Augen zu führen. Seit Januar wird es in deutschen Kinos ausgerichtet, bis Herbst 2009 dann in insgesamt 120 Städten, von Aachen bis Zeil am Rhein.

Den Veranstaltern wie auch den Filmemachern geht es nicht darum, die Existenz einer zentralen Macht zu unterstellen; vielmehr sollen die verschiedenen Formen von Macht, deren Mechanismen und der Umgang mit ihr aufgezeigt werden Diesen Beitrag weiterlesen »

Gestern abend erhielt unsere Redaktion den Hinweis auf eine Online-Abstimmung der Europäischen Bürgerkonferenzen, eine Einrichtung, die mir bis dato völlig unbekannt war. Wie ich erfahren durfte, bringt sie zufällig ausgewählte Bürgerinnen und Bürger aus allen 27 EU-Mitgliedsstaaten zusammen, die gemeinsam mit Entscheidungsträgern die wichtigsten Herausforderungen Europas diskutieren sollen – im Vorfeld der Europawahlen natürlich von besonderer Bedeutung.

Themenvorschläge können im Internet unterbreitet, ebenso dort Stimmen verteilt werden (eine Anmeldung ist nötig). Hier eine Auswahl bisher in Deutschland eingereichter Anträge: Diesen Beitrag weiterlesen »

"Attacke" auf die ZEIT

"Attacke" auf die ZEIT

Mit einer “gefälschten” ZEIT-Nummer hat am 21. März das globalisierungskritische Netzwerk Attac für Aufsehen gesorgt. Eigenen Angaben zufolge wurden 150.000 selbsterstellte Exemplare der Zeitung in 90 deutschen Städten verteilt. In der auf den 1. Mai 2010 vordatierten Zeitungsausgabe wird antizipiert und visioniert, was hierzulande und in der Welt bis dahin alles verbessert werden könnte und sollte. Selbst die Anzeigenwerbung wurde kreativ umgestaltet. Eine ähnliche Aktion hatte die Aktivistengruppe “The Yes Men” im Herbst letzten Jahres mit der “New York Times” durchgeführt. Allerdings war diese nicht so leicht als Fälschung zu entlarven. Diesen Beitrag weiterlesen »

Heute ist Weltwassertag – die vielleicht wichtigste Substanz des (Über-)Lebens erfährt wieder eine Würdigung. Auch mir persönlich liegt das Thema sehr am Herzen, weshalb wir kontinuierlich seit 1999 mindestens einen Beitrag zum Thema in der zeitgeist-Printausgabe bringen. Denn Wasser, das steht für unsere Quellen, für Informationsspeicherung, für merkwürdige Anomalien und anderes Rätselhaftes, aber auch für Durst, Wasserkriege und Cross-Border-Leasing.

Gerade Letztgenanntes, abgekürzt CBL, ist nun – vor dem Hintergrund der Finanzkrise – (wieder) in die Schlagzeilen geraten. Rund 50 deutsche Städte und Gemeinden hatten zwischen 1994 und 2004 aus chronischem Geldmangel ihre Wasserwerke, -leitungen, Kläranlagen, aber auch Schienennetze, Messehallen, Krankenhäuser und sogar Schulen an amerikanische Finanzinvestoren verkauft und dann zurückgeleast (zeitgeist berichtete ausführlich in Heft 1-2004 unter dem Titel “Der heimliche Ausverkauf unseres Wassers”). Dadurch erhielt der Investor nach US-Recht einen Steuervergünstigung, die er als Barwertvorteil von vier bis fünf Prozent an die Vertragspartner weiterreichte. Der Löwenanteil ging jedoch nicht an die deutschen Städte und Kommunen, sondern an Banken und Versicherer, die – wen wundert’s? – mit im Boot waren. Diesen Beitrag weiterlesen »

Was ist nur los mit unserem Geld? Vorbei sind die Zeiten, als von harten Währungen die Rede war. Wird der Euro an Wert behalten oder bald kaum mehr das Papier wert sein, auf das er gedruckt ist? Kommt über Nacht eine Währungsreform wie bei der Einführung der DM 1948?

Fragen, die sich immer mehr Menschen stellen – und auf die es aufgrund historischer Einmaligkeit mindestens so viele spekulative Antworten gibt wie selbst ernannte Experten. Versuchen wir uns bei einer Annäherung also möglichst an Fakten zu halten, an solche, die einigermaßen gut überprüfbar sind. Diesen Beitrag weiterlesen »

Ein Londoner Bezirk, der die Parkgebühr nach dem CO2-Ausstoß kassiert, ein CO2-neutraler Mobilfunktarif (TalkGreener), “CO2-frisierte” Elektroautos … – und nun, Vorhang auf, die CO2-Card: der letzte Schrei aus der Kreativwerkstatt der Kohlendioxid-Verteufler. Die Geschäftemacherei mit dem vermeintlichen Treibhausgas treibt immer seltsamere Blüten.

CO2-Card der Aachener Stiftung Kathy Beys (Pressefoto)

CO2-Card der Aachener Stiftung Kathy Beys (Pressefoto)

Was hat es mit der Karte auf sich? Es gibt inzwischen Überlegungen, jeder Mensch solle ein eigenes CO2-Konto erhalten und ein begrenztes Verbrauchsrecht, entsprechend z. B. zwei Tonnen CO2. Die kann er verplanen, wie er will, bei seinem Auto, der Heizung, dem Sport (= vermehrtes Ausatmen). Ist dieses Kontingent aufgebraucht, so das Szenario, und der Wunsch nach mehr CO2-Ausstoß da, muss man eben “Verschmutzungsrechte” nachkaufen. Diesen Beitrag weiterlesen »

Der Aufschwung ist da – zumindest, wenn man es am Zuwachs neuer Parteien festmacht. Während die großen Parteien weiter an Glaubwürdigkeit verlieren (nicht nur angesichts ihrer Profillosigkeit, sondern auch, weil jetzt, die Krise vor Augen, wieder nur an Symptomen herumgedoktert wird, anstatt endlich den Ursachen auf den Grund zu gehen), zeigen sich andere in Gründerlaune. Diesen, den derzeit neu entstehenden “Kleinparteien”, ist gemein, dass sie sich vordergründig nicht als Opposition verstehen, und auch nicht als Protestler mit radikalem Ansatz, sondern vielmehr lösungsorientiert auftreten, das Ganze im Blickfeld.

Ein Auswahl möchte ich hier vorstellen: Diesen Beitrag weiterlesen »

Krise als Chance, das hab ich jetzt schon öfters gehört und gelesen. Aber worin besteht die Chance wirklich?

So mancher hofft ja insgeheim schon seit Jahren, dass es endlich crasht. Dass das alte, das überkommene Gesellschaftssystem verschwindet. Einer, ein alter Bekannter aus dem Schwarzwald, rechnete bereits vor 10 Jahren jeden Tag mit dem Zusammenbruch, nahm keine Jobs mehr an – doch der kollektive Kollaps blieb aus, dafür geriet er an den Rande eines persönlichen. Sowohl geschäftlich als auch privat ging es bergab mit ihm, zusehends wurde er zynischer. Ich stellte ihm damals die Frage, wie er sich denn “die Zeit danach” vorstellte. Diesen Beitrag weiterlesen »

2009 wurde zum Darwin-Jahr erkoren – der wohl bekannteste Vertreter der Evolutionstheorie wäre dieses Jahr 200 Jahre alt geworden. Das EVO-Magazin hat dazu eigens eine Homepage gestaltet, und mein Kollege Ron Engert machte es zum Titelthema der aktuellen Ausgabe seiner Zeitschrift Tattva Viveka. Nur zwei von zahllosen Veröffentlichungen, Veranstaltungsankündigungen und anderen Würdigungen – Google meldet bei der Stichwortsuche “Darwin-Jahr” schon jetzt 235.000 Treffer, kaum ein Viertel des Jahres ist vorüber.

Besonders viel Mühe gemacht hat sich der Sender 3sat mit der Flash-Animation “Der Darwin-Code”. Neben allerlei kulturellen Hinweisen und natürlich Ausrissen aus Darwins Biografie sowie Vorstellung verschiedener Mitstreiter und Konkurrenten (vergessen wurde allerdings der britische Philosoph und Soziologe Herbert Spencer, über dessen bedeutende Forschungserkenntnisse zeitgeist in Heft 2-2007 ausführlich berichtet hatte), ist es vor allem eine Reihe von Video-Clips zu Schlüsselbegriffen der Evolution (“Darwin-Bits”), die besonders gelungen sind, z. B. über Mimikry, Koevolution, Epigenetik oder auch den in die Mode geratenen Kreationismus.

Wünschenswert wäre indes, das Darwin-Jahr auch zum Anlass zu nehmen, den Dialog um die Schwächen bzw. Brüche in der Evolutionstheorie, derer es ja nach wie vor entscheidende gibt, neu zu beleben Diesen Beitrag weiterlesen »

Das ansonsten recht informative Fernsehformat “Nano” zeigte sich unlängst polemisch. In der Sendung vom 06.03.09 sollte der Frage nachgegangen werden, ob nicht der Mensch, sondern die Sonne der Auslöser des Klimawandels sein könnte, wie immer wieder behauptet wird. Anstatt das Thema sachlich zu hinterleuchten, wurde gerade mal ein Schweizer Wissenschaftler befragt, der meines Wissens in der Klimadebatte bisher noch nicht in Erscheinung getreten war. Anhand der Messung von Beryllium-10-Atomen gelangte dieser zu dem merkwürdigen Resüme: Die Sonne bleibt ein dynamischer Stern, ihr Einfluss auf die Erde jedoch konstant. Wie bitte, was ist denn das für eine Logik? Diesen Beitrag weiterlesen »

Heute flatterte mir ein Werbeschreiben der Dresdner Bank ins Haus, mit einem Aufdruck auf dem Umschlag, der mich zweimal hinblicken ließ: “Exklusiv für den Mittelstand: unser neues Beratungsangebot zur Liquiditätssicherung”.

werbeschreiben-dresdnerNanu, war die besagte Großbank kürzlich nicht selbst in Geldnöte geraten? Ein Vertrauensvorschuss in allen Ehren: Doch wie will mich jemand glaubwürdig und kompetent beraten, der seine eigenen Finanzen nicht im Griff hat? Diesen Beitrag weiterlesen »

Die Website von Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble ist Opfer eines Hackerangriffs geworden, schreibt das Computermagazin Com! in seiner jüngsten Ausgabe. Eine Lücke im Online-Redaktionssystem Typo3 hätte dies ermöglicht. Der Bösewicht war wohl ein Spaßvogel: Er setzte einen Link zum Arbeitskreis Vorratsdatenspeicherung, genau zu jener Einrichtung, die hierzulande die wohl bedeutendste Initiative gegen die Bestrebungen der Vorratsdatenspeicherung darstellt. Der AK Vorrat, so die Kurzbezeichnung, entstand als Zusammenschluss von Datenschützern, Bürgerrechtlern sowie verschiedener Organisationen und war Hauptkoordinator der  “Freiheit-statt-Angst”-Demonstrationen. Diesen Beitrag weiterlesen »

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